Mai 2020

Corona-Zeit

Das neuartige Virus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, hat die gesamte Welt weiterhin im Griff. Deutschland hat mit einem strikten Maßnahmenkatalog wie Kontaktsperren, Schul- und Geschäftsschließungen, Besuchsverboten in Pflegeeinrichtungen und Sperrung von öffentlichen Zonen wie Kinderspielplätzen die Verbreitung zumindest verlangsamt. Das Gesundheitssystem wurde bisher nicht überlastet. Deshalb haben Bund und Länder erste Lockerungen verkündet. Hier geht die Dokumentation dieser Ausnahmezeit weiter. 

Danke für Eure Mithilfe! Bleibt gesund, Eure Barbara Siefken 
mail: b.siefken@gmx.de phone: 01778923207 

Barbara Siefken: Meine Seite ist weiter down


Sonntag, 31. Mai 2020
Meine Website ist immer noch nicht erreichbar. Ich überlege, ob ich meine Dokumention stoppen soll. Schließlich ist doch Corona fast vorbei, oder? Es ist viel, viel Arbeit und ich habe Tage, an denen bekomme ich keine neuen Erlebnisse gesandt, dann schaue ich mir die WhatsApp-Statuten an und sende Nachrichten mit der Bitte um Beiträge. Es gibt ein paar Schreiberlinge, die zwar keine Profis sind, aber sehr genau hingucken - diese Menschen bitte ich auch immer wieder um Beiträge, meist zu einem bestimmten Thema, das gerade die Medien beherrscht und das allgegenwärtig ist. Auch wähle ich immer mehr aus, worüber ich berichten möchte. Soll ich das jetzt stoppen?

Nina, 46, Kerpen: 
Antikörpertest... 


Sonntag, 31. Mai 2020
Ich will es endlich wissen: Hatte ich schon "Corona" oder nicht? Im Januar habe ich schrecklich gehustet, fühlte mich wochenlang matt und bekam schlecht Luft. Im Februar hatte ich starke Allergien und brauchte ständig mein Asthma-Spray. Und im März habe ich ein paar Tage gefiebert, nicht hoch, aber dabei hatte ich Halsschmerzen und fühlte mich sehr matt. Das war es doch sicherlich? Seit Wochen erzählen mir immer mehr Menschen, sie würden den Antikörper-Test machen. Zuerst lache ich etwas darüber, das ist doch albern, oder? So viel Geld ausgeben, wofür eigentlich? Aber dann kommt die Maskenpflicht, die Schulen öffnen Tageweise, erste Freunde fahren übers Wochenende nach Holland, wir treffen Freunde im Garten, trauen uns aber nicht mitzugrillen, aus Angst vor Ansteckung, sollte ein Anderer aktuell an Corona erkrankt sein und es nicht wissen. Wenn wir schon mit dem Virus „durc“ wären, wie ein paar meiner Bekannten und Verwandten, könnten wir doch viel ruhiger sein! Klar, letzte Gewissheit, ob und wenn ja, wie lange man immun ist, kann niemand geben, aber wir gehen einfach mal davon aus, dass wir uns dann nicht anstecken könnten. Deshalb war ich gestern Vormittag bei meinem Hausarzt und habe mir Blut abnehmen lassen. Die Sprechstundenhilfe fand das ganz normal! Sie würden jetzt ständig darauf testen. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Schon heute Morgen kommt es per Mail und ich halte beim Öffnen die Luft an. Aber dann: Enttäuschung… denn ich habe keine Antikörper! Also weiter aufpassen…  

Barbara Siefken: 
Meine Seite ist weiterhin down


Samstag, 30. Mai 2020

Meine Seite ist weiterhin nicht erreichbar, ich warte gespannt auf das Ergebnis meines Verifizierungsversuchs. Trotzdem soll die Dokumentation weiter gehen, denn es erreichen mich weiterhin Erlebnisse, die den Einfluss des Coronavirus auf den Alltag zeigen! 

Silke, etwa 40, Raum Stuttgart: 
Die Doppelbelastung macht mich fertig


Samstag, 30. Mai 2020
10 Wochen Homeschooling und Homeoffice parallel – ich kann nicht mehr! Meine Kinder sind fast sechs und neun Jahr alt und ehrlich gesagt ist der Neunjährige schwieriger als der Kleine. Der ist sehr genügsam, hört stundenlang Musik und „Was ist Was“-CDs, das ist faszinierend. 
Aber mein Großer muss im Grunde von mir unterrichtet werden. 

Ich arbeite bei einem Callcenter und habe die Arbeitszeit jetzt geteilt – morgens, wenn die Kids schlafen, dann bin ich schon ein paar Stunden im Einsatz. Bis die Beiden aufgestanden sind und gefrühstückt haben, habe ich ein paar Stunden am Laptop verbracht. Und dann am Abend dürfen sie fernsehen, so habe ich dann wieder ein paar Stunden Zeit für meinen eigentlichen Job. 

Ab und zu bekommen die Kunden, mit denen ich telefoniere, mal was von den Kleinen mit. Aber bisher hatte jeder Verständnis und reagiert locker, humorvoll nett! Mein Mann würde gerne helfen, aber er ist nicht im Homeoffice, im Gegenteil, er ist beruflich wahnsinnig einspannt, geht morgens um sechs aus dem Haus und kommt nicht vor 19 Uhr zurück. Er ist dann auch k.o…. 

Es ist eine sehr anstrengende Zeit, aber ich bin froh, dass ich zu Hause arbeiten kann, so klappt es mit der Kinderbetreuung irgendwie. Ganz nett ist natürlich, dass ich länger als sonst schlafen kann und mich vor dem Jobantritt nicht schick machen muss! Auch der Weg ins Büro entfällt, das ist doch immerhin etwas! 

Aber diese Doppelbelastung macht mich ganz schön fertig, ich sehne die Normalität herbei und ich glaube, damit bin ich nicht die Einzige... 

Barbara Siefken: 
corona-2020.eu ist down! 


Freitag, 29. Mai 2929
"Was ist los mit deiner Seite?" "Ist corona-2020.eu down?" "Hej, guck mal schnell, du bist nicht mehr erreichbar" - diese Nachrichten erreichten mich am Donnerstagnachmittag. Nach lagen Telefonaten mit der sehr freundlichen Ionos-Kundenhotline, bekam ich dann diese Mail, hier Auszüge:

This notice is to inform you that as you have neither verified your identity, nor uploaded evidence confirming the accuracy of your registration data, nor confirmed that you have registered your domain name(s) in good faith we regret to inform you that your domain name(s) has/have been suspended. This action is in accordance with Article 3, third paragraph of Regulation (EC) No 874/2004, as amended by Commission Regulation (EU) 2015/516, Section 8 of the Domain Name Registration Terms and Conditions, and Sections 5 and 12 of the Domain Name Registration Policy. During a suspension any services linked to the domain name(s), such as a website or email addresses will no longer function as of the time of this notification.

Additionally, we reserve the right to suspend any future domain name(s) that you register with the same (unverified) registration data.

Please act now to re-activate your domain name(s). If you fail to take action, we may revoke your domain name(s) without further notice to you. If a domain name is revoked, this means that it will be permanently removed from the registration database and be made available for re-registration on a first-come, first-served basis (subject to our eligibility rules).
Should you have any questions, please contact us by replying to this email.

Also sende ich an die angegebene Mail verschiedene Erkläurungen und Dokumente und hoffe, dass mein Projekt nicht vorbei ist... 

Saskia, Mitte 40, Brühl: 
Alles wie immer?


Freitag, 29. Mai 2020
Brühler Innenstadt am frühen Donnerstagabend. 

Mein Mann und ich schlendern vom wunderschönen Schlosspark in die Fußgängerzone. Der Park selbst ist erstaunlich leer, nur ab und zu sitzen ein paar Leute auf den Bänken oder führen ihre Hunde aus. Hier trägt niemand Mundschutz, aber bis auf eine kleine Gruppe Jugendlicher sind höchstens zwei Personen miteinander unterwegs. 

Dann erreichen wir die Altstadt, eine enge Gasse ist vollgestellt mit Tischen. Abstand ist hier relativ zu verstehen. Die Kellner haben fast alle ihre Masken unter dem Kinn hängen. Wir blicken in einen Friseursalon: Dort bekommt ein junger Mann gerade die Haare mit einem Rasierer in Form gebracht. Weder Kunde noch Friseur tragen den eigentlich vorgeschriebenen Mundschutz. Davor steht eine Bank mit wartenden Kunden oder vielleicht sind es auch einfach Freunde des Hauses? Eng beieinander sitzen drei Männer ohne Mundschutz – einer hustet und niest. Wir machen einen großen Bogen und mir wird klar, dass ich den armen Mann gerade wie einen Aussätzigen behandele. Aber wie kann man in der Öffentlichkeit Erkältungssymptome haben und keinen Schutz tragen?

Auf dem Marktplatz bummeln Leute mir Eiswaffeln umher, die Restaurants haben viele Tische vor ihren Lokalen hingestellt, zwar mit etwas mehr Abstand als in der kleinen Gasse, aber auch hier wirkt die Szene so wie vor Corona, sieht man von wenigen Masken ab, die auf den Tischen liegen, und ein paar Kellnern, die sie tragen, während sie relativ nahe an ihre Kunden herangehen – anscheinend werden sie sonst nicht gut verstanden. 

Ich kann nicht anders, aber diese Szenen machen mir Angst. Es ist verrückt, denn die Zahlen sind unten und wahrscheinlich hat auf dem ganzen Marktplatz kein Einziger das Virus in sich, eine Ansteckung kann also nicht erfolgen – aber wer weiß? Ich habe einfach kein gutes Gefühl und wir setzen uns nicht an die Tisch, sondern halten Abstand…

Mira, Grundschullehrerin in der Nähe von Köln: Waschstraßen und Kreise!  Teil I


Donnerstag, 28. Mai 2020
Als Grundschullehrerin hat sich mein Arbeitsalltag radikal geändert, klar, erst mit den Schulschließungen, jetzt wegen der Öffnung unter neuen Bedingungen, für die wir als Lehrerkollegium viele Vorgaben vom Schulministerium umgesetzt haben: 

In den Räumen mussten Möbel verrückt, Gehwege mit Klebeband beklebt und sogenannte „Waschstraßen“ eingerichtet werden. Wir haben Lerngruppen festgelegt und mit einer festen Sitzordnung jeweils auf zwei Räume verteilt. Dabei hat jeder Tisch eine Nummer erhalten. 

Auf den Boden des Schulhofs haben wir Kreise mit Sprühkreide gesprüht und jeden Kreis mit einer Nummer versehen. Jedes Kind hat seine eigene Nummer bekommen und findet so seinen Kreis und seinen Tisch. Außerdem haben wir auch unterschiedliche Ankunftszeiten der Klassen organisiert, damit nicht zu viele Kinder auf einmal ankommen und somit das Abstandsgebot eingehalten werden kann. Jetzt stellt sich jedes Kind bei seiner Ankunft direkt in seinen Kreis und wartet, bis seine Lerngruppe von der Lehrerin abgeholt und in den Gruppenraum gebracht wird. 

Diese Infos wurden natürlich vor Schulbeginn an Eltern und Kinder mit den neuen Hygieneregeln verschickt. Und natürlich erklären wir den Schülern und Schülerinnen immer wieder die neuen Vorgaben.
(Weiter im nächsten Beitrag)

Mira, Grundschullehrerin in der Nähe von Köln: Waschstraßen und Kreise! Teil II


Donnerstag, 28. Mai 2020
Jede Jahrgangsstufe hat nun an einem Tag in der Woche vier Stunden Unterricht, eine Klasse ist auf zwei Lerngruppen aufgeteilt. Die Lerngruppen sind dann wiederum verteilt auf zwei Räume (Klassenraum und durch eine Tür und ein Fenster abgetrennter Differenzierungsraum), dabei sind die Tische natürlich so gestellt, dass der Mindestabstand gewährleistet ist. Wir unterrichten jetzt bis zu den Ferien nur die Kernfächer: Mathe, Deutsch, Sachunterricht und Englisch. Nach zwei Stunden wechseln sich die Lehrerinnen aus den Lerngruppen der gleichen Klasse ab, damit die Kinder jedes Mal die eigene Klassenlehrerin sehen, mit der sie vertraut sind.

Auch Pausen finden statt, aber in zugeteilten Bereichen auf dem Schulhof und zu festgelegten Zeiten, anders als die „normalen“ Pausen, sodass keine Mischung der Lerngruppen stattfindet. Spiele sind nur mit Abstand erlaubt. In den Pausen und in den Gängen wird ein Mundschutz getragen, für den Fall, dass der Abstand zu gering wird.

Die Kinder machen das alles aber toll mit, auch die Kleinen halten sich schon an unsere neuen Abläufe! Die neuen Regeln waren für die Kinder größtenteils gut einzuhalten und bereits in der zweiten Woche ist schon eine Art Routine eingekehrt, vor allem beim Aufstellen, Händewaschen, und beim Abgehen der Wege im Klassenzimmer. Beeindruckend! 

Fanny, 30, Brandenburg: 
Spagat im Homeoffice, Teil I


Mittwoch, 27. Mai 2020
„Frauen, wo seid Ihr? Warum verteidigt Ihr nicht die hart erkämpften Freiheiten und Rechte der Frauen? Warum lasst Ihr Euch so widerstandslos in die alten Rollen zurückdrängen?“, fragte Barbara, 52, am Freitag. Vermutlich war ich gerade mit dem Spagat aus Homeoffice, Kindererziehung und Haushalt beschäftigt, liebe Barbara. Macht mir diese Rolle Spaß? Nein. Gibt es eine Alternative für diese besondere Zeit? Sicher, Alternativen gibt es immer, fragt sich nur zu welchem Preis. 

Im wahrsten Sinne des Wortes: Mein Mann ist bei uns mit Abstand der Hauptverdiener. Sobald er seine Arbeitszeit reduziert, schmerzt das auf dem Konto deutlich, schließlich haben wir einen Hauskredit als Verbindlichkeit. 

Für uns beide war stillschweigend klar, dass ich die Corona-Kinderbetreuung übernehme. 
Das alte Rollenbild hat bei uns jedoch schon vor Corona Einzug gehalten – und zwar in dem Moment, als wir das Haus gekauft haben. Ich habe gekocht, geputzt, gewaschen, das Kind gespaßt – er hat gebaut. Man könnte meinen, die Rollen sind unserer natürlichen „Ausstattung“ geschuldet. Viele Bauarbeiten waren körperlich schlichtweg zu schwer für mich. Man könnte auch meinen, es wäre mein individuelles Problem. Komisch nur, dass sehr viel Frauen dieses „individuelle Problem“ mit mir teilen. 
(Teil II siehe nächster Beitrag)

Fanny, 30, Brandenburg: 
Spagat im Homeoffice, Teil II


Mittwoch, 27. Mai 2020
(Teil I siehe vorheriger Beitrag) 
Solange der Gender Pay Gap immer noch 21% beträgt, wäre es aus ökonomischer Sicht einfach ineffizient für eine Familie, wenn die Frau Hauptverdiener wäre. 

Übrigens teilen über 68% der Eltern unser Modell ( Quelle: www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_56_2020.pdf). Der Report STAND DER GLEICHSTELLUNG VON FRAUEN UND MÄNNERN IN DEUTSCHLAND vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut zeigt, dass wir das alte Rollenbild vorher nur vermeintlich hinter uns gelassen haben. Ich glaube, in Wahrheit haben wir Frauen nur nicht offen darüber gesprochen. 

Mit Familienarbeit bekommt man eben keine Wertschätzung, weder monetär noch mit Worten. Jetzt können wir es nicht mehr vertuschen. Und auch heute frage ich mich, wo bleibt die Anerkennung der Politik, der Gesellschaft, des Partners und vor allem: Wo bleibt die Anerkennung, die ich mir selbst schenke?
Das liebe Geld ist nur ein Aspekt – unsere Gesellschaft ist voll von alten Glaubenssätzen rund um Männer und Frauen. 

Sicher kann jede*r Einzelne seinen Beitrag leisten die eigene Haltung zu überdenken. Nur so können wir die Gesellschaft Stück für Stück ändern. Das ist ein Prozess, den wir Frauen und Männer gleichermaßen gestalten dürfen, wenn wir uns wirklich auf Augenhöhe begegnen wollen.

Diana Brasse, Coach in Erftstadt:
Wir leben den Geschlechterfrieden!


Dienstag, 26. Mai 2020
Wir haben schon lange den Kampf der Geschlechter begraben. Wir leben den Geschlechterfrieden! 

Es ist für uns nicht mehr wichtig zu klären wer der Bessere, Stärkere, Klügere, oder sonst was ist. Wir sind nicht gleich und das ist gut so. Gott sei Dank kann mein Mann bestimmte Sachen besser als ich und umgekehrt. Besser gesagt, wir schätzen es sehr, dass wir nicht gleich sind und jeder von uns andere Stärken und Schwächen hat. Wir nutzen die Stärken des Anderen und werten die vermeintlichen Schwächen nicht ab. Denn Stärken und Schwächen dienen einer Beziehung, wenn man sie aufrichtig für die Beziehung einsetzt. 

In der „Coronazeit“ wurde uns nochmal richtig bewusst, wie befreiend das ist. Es ist wie eine Standortbestimmung, oder ein Test: Wo stehen wir in unserer Beziehung?! Was funktioniert bei uns und was nicht?

Und ja, ich mache zur Zeit mehr den Haushalt und kümmere mich um den Garten, mein Mann mehr die Arbeit im Angestelltenverhältnis. Wir schaffen gerne ein Zuhause was uns gefällt, jeder mit dem was ihm gefällt, oder kann. Und ja, mir gefällt es gerade den Haushalt zu machen und ich kann es, da ich als Selbständige, die natürlich von den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus auch beruflich betroffen ist, gerade die Zeit habe und er nicht. 

Für unsere Beziehung ist diese temporär verstärkte Arbeitsteilung ein Gewinn in dieser Zeit und auch darüber hinaus. Denn die Erkenntnis zeigt uns wo wir stehen, auch in sogenannten Krisenzeiten. „Coronabeziehungstest“ für uns bestanden. 

Sonja, Mitte 40, Kerpen: 
alles wie immer?


Dienstag, 26. Mai 2020
Ich gehe durch meine Heimat und habe den Eindruck, alles sei doch wie immer… viele Leute laufen den Bürgersteig entlang, manche mit Eis in den Händen, fast alle Geschäfte haben geöffnet, vor der Bäckerei sitzen Menschen in der Sonne und genießen Kaffee und Kuchen. Aber nichts ist wie immer, wenn man genau hinsieht. Die Masken sind das äußere Zeichen, dass da eine gewisse Gefahr quasi in der Luft liegt, die wir nicht sehen, nicht riechen und nicht schmecken können… 

Und dann sind da die Schlangen vor den Apotheken, Bäckereien, der Post. Brav halten die Meisten Abstand, haben nicht mal ihre Handys in der Hand, starren einfach vor sich hin, bis sie an Reihe sind, das Geschäft zu betreten. 

Vor dem Supermarkt das gleiche Bild: Auch hier warten Menschen, denn nur mit Einkaufswagen darf der Laden betreten werden. Eine Frau zieht Handschuhe an, eine Andere wirft ihre Maske in den Mülleimer, ein Mann möchte das Desinfektionsspray am Eingang nutzen und schimpft vor sich hin: Leer. Manche Geschäfte haben Pfeile für den Rundweg durch die Gänge aufgezeichnet, damit sich niemand in die Quere kommt, andere weisen auf Schildern auf die vorgeschriebenen Abstände von 1,5 Metern hin.  

Abseits von den Hauptstraßen wandelt sich das Bild. Hier stehen junge Leute um eine Bank dicht zusammen, haben leise Musik laufen, teilen sich Zigaretten und wirken so, als sei wirklich alles normal. Eine Dame mit kleinem Hund sieht deutlich missbilligend auf die Gruppe aus sicher acht, neun Jugendlichen, macht einen weiten Bogen. Die Jungen lachen ihr hinterher. "Ist was?", ruft einer. 

Es war Dörte, 56, Kerpen: Es war einmal... Party in Kroatien! 


Montag, 25. Mai 2020
Rückblick, heute vor einem Jahr: 
25.05.2019, ein Freund wird 60. 

Er plante schon lange eine Feier mit Familien und Freunden in Kroatien, an einem Ort, in dem sein ältester Freund ein Ferienhaus besitzt und das Geburtstagskind schon viele schöne Zeiten verbracht hat. 

Die Einladung ging schon ein halbes Jahr vorher raus und rund 60 Personen begannen mit Planung. Hotel oder Ferienhaus. Wochenendtrip und oder richtiger Urlaub? Jeder hatte einen anderen Plan, aber diese aufgeregte Stimmung ließ schon Wochen vorher in unserem Freundeskreis Gänsehaut durch dieses wunderbare durcheinander entstehen!  

Am Mittwoch, dem 22 Mai, ging es für uns los: Wir fuhren zu viert mit dem Wagen in den Süden und hatten uns für eine Woche ein Ferienhaus gemietet. Zeitgleich trafen sich mehr oder weniger zufällig andere Gäste in Köln am Flughafen und traten gemeinsam die Reise nach Zagreb an. Andere flogen am kommenden Tag. 

Am Freitagabend gab es in einem nahe gelegenen Restaurant ein gemeinsames Abendessen und es war ein wunderbarer und quirliger Auftakt für diese schöne Zeit. 

Samstag war es so weit: 60. Geburtstag mit mehr als 60 Gästen aus Deutschland und Schweiz in einem coolen Yachthafen in einer wunderbaren Marina!! Wir feierten eine wilde Party die bis in den frühen Morgen! 

Eine Nacht, die niemand von uns jemals vergessen wird… Wahnsinn! Jeder nahm jeden in den Arm, wir sangen deutsche Karnevalsschlager in den kroatischen Himmel, schunkelten, tanzten, genossen Unmengen an Gin Tonic und wünschten alle, dass diese Party nie zu Ende geht! Und gefühlt feierten wir einfach eine ganze Woche lang gemeinsam weiter, auch wenn einige natürlich früher abreisten: Wir picknickten am Strand und in den Bergen, fuhren in Booten über das glitzernde Meer, tanzten in Bars und genossen diese ganz ungewöhnliche, intensive Zeit gemeinsam, egal, ob jung oder alt… Alle zusammen! 

Ich vermisse genau das im Moment so sehr

 Martin, 44, Kerpen: 
Shoppen mit Maske


Montag, 25. Mai 2020
Shoppen in einem Einkaufszentrum mit der Family! Wir mussten einige Sachen erledigen und suchten auch einfach etwas Normalität in dieser verrückten Zeit. 

Aber so ganz normal ist das alles heute natürlich nicht. Es fängt schon damit an, dass am Eingang ein großes Schild auf die Maskenpflicht hinweist, die auch in den Außenbereichen gilt. Alle tragen also brav dem Mund-Nasen-Schutz, auch wenn er bei manchen Leuten eher schräg über dem Gesicht hängt. 

Es ist erstaunlich viel los, ich fühle mich an früher erinnert. Die Leute halten aber Abstand, natürlich nicht überall so viel, wie eigentlich vorgeschrieben. Bei den anderen Shoppern wirkt alles normal, auch wenn sie Masken tragen. Trotzdem ist die Atmosphäre in den Geschäften eine Andere: Viele Verkäufer sind einfach genervt. Ich spreche sie darauf an: Die einhellige Meinung: Die Arbeit ist durch die Maßnahmen sehr schwierig geworden. Sie müssen sich selbst über Stunden maskieren und bekommen dadurch schlecht Luft. Dazu müssen sie dafür sorgen, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Ständig droht die Gefahr einer Kontrolle. Und dann sind da die wirtschaftlichen Sorgen, denn die Umsätze sind nicht so hoch und die vielen Wochen ohne Umsatz wegen der Schließungen sind natürlich auch bedrückend… 

Obwohl die Mehrzahl der Verkäufer und Verkäuferinnen sicher sehr froh ist, wieder arbeiten zu können und die Zeit des Lockdowns der Geschäfte hinter sich zu haben, ist der Arbeitsalltag ein Andere geworden. 

Uns selbst fällt so richtig auf, was Masken bedeuten, als meine Frau einen neuen Ring aussucht: Wir dürfen alle in den Laden, aber als die verschiedene Modell anprobiert, sehen wir weder ihren Ausdruck noch können die Anderen meinen sehen. Gefällt uns der Ring? Lächelt meine Frau wirklich zufrieden oder ist sie gerade nur höflich? Erst durch unsere Worte erfahren wir, wie der Andere emfpindet, da die Masken die non-verbale Kommunikation durch die Mimik unkenntlich macht… Wir finden trotzdem den Richtigen! 

Susanna, 42, Kerpen: Alarmglocken und Urlaubsplanung  (Teil I)


Sonntag, 24. Mai 2020
Eine Frage, die unsere Familie nun seit Wochen beschäftigt ist, können oder wollen wir dieses Jahr in den Urlaub fahren?

Wir hatten bereits im Januar unseren Hollandurlaub gebucht und die Zeichen stehen gut, dass wir das auch dürfen. Die Grenzen sind offen, der Park auch und da wir in ein Ferienhäuschen fahren, wo wir nur unter uns sind, sehe ich eigentlich auch keinen objektiven Grund, warum wir nicht fahren sollten. Also können wir. Aber wollen wir auch?

Ich spüre ganz deutlich einen inneren Widerstand. Etwas, was mich davon abhält freudig JA zu diesem Urlaub zu sagen. 

Und hier geht es nicht nur um den Urlaub, es geht um jede andere Verabredung, der ich zustimme. Auch wenn es nur um ein Treffen von zwei Haushalten geht. 
Die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit ist weg. Beim Spaziergang mit einer Freundin im Wald merke ich sofort, wenn der Abstand zu gering wird. Es ist wie ein unsichtbarer Marker einen Meter um mich herum. Bricht dort jemand ein, geht ein Alarm los. Soll das erst aufhören, wenn wir einen Impfstoff entwickelt haben? 

Warum ich mir so Sorgen mache? Es geht um meine Oma. Einzig und alleine um sie, weil wir hier alle ständig Kontakt haben. Sie würde es nicht ertragen, ausgeschlossen zu sein. Ich mache mir Sorgen, dass wir sie anstecken und damit ihr Leben gefährden. Für alle anderen im meinem familiären Umfeld wäre es egal, mit wem wir uns treffen, weil wir uns gesundheitlich sicher fühlen und nicht zu den Hochgefährdeten gehören. 

Es ist eine ständige Entscheidung zwischen Spielplatz und sozialen Kontakten auf der einen Seite und den Schutz aller Risikogruppen auf der anderen Seite. Persönliche Freiheit versus Rücksicht auf andere. Ein verdammt schmaler Grat. 


Susanna, 42, Kerpen: Alarmglocken und Urlaubsplanung (Teil II)


Sonntag, 24. Mai 2020
Neulich waren wir zum ersten Mal auf einem Spielplatz, wo einfach keine Möglichkeit bestand Abstand zu halten. Es war das erste Mal, dass mein Sohn sich wieder mit einem Freund getroffen hat und seine strahlenden Augen und sein unbeschwertes Lachen haben mich davon abgehalten wieder zu fahren. 

Ich wusste aber auch, was das im Umkehrschluss bedeuten würde. 

Meine Mutter unterstützt uns bei der Kinderbetreuung, da wir seit Mitte März im Home Office sind. Meine Mutter sieht aber auch täglich meine Oma. Abends musste ich ihr sagen, dass wir zu mindestens 10 Kindern engen Kontakt hatten. Anders war der Aufenthalt auf einem Klettergerüst gar nicht möglich. Meine Mutter brach in Tränen aus. Dieser enorme Druck jemanden schützen zu wollen, aber auch wieder Normalität erleben zu wollen....er zerreißt uns. 

Und diese Zerrissenheit macht mich wütend. Und dann kann es auch mir passieren, dass ich denke, Mensch, bei der Schweinegrippe haben wir auch keinen Lockdown gehabt und wenn das Virus tatsächlich schon längere Zeit hier unterwegs war - unbemerkt - warum ist da niemandem aufgefallen, dass was nicht stimmt? Warum kam es erst nach dem Lockdown zu so hohen Todeszahlen? Warum nicht schon vorher? 

Aber dann merke ich, dass wir bei dem Thema alle im Dunkeln tappen. Wir wissen doch alle nicht, was dieses Virus ist und wie es in Deutschland und auf der Welt weitergeht. Und um auf der sicheren Seite zu sein, um die Menschen zu schützen die wir lieben, entscheide ich mich auch weiterhin dazu diese Distanz auszuhalten, mit kleinen Ausnahmen, um es erträglich zu machen. 

Meine Familie sieht das genauso.

Und die Entscheidung für den Urlaub ist deshalb noch nicht gefallen. 

Nadine Klein, 42, Tierärztin in Kerpen: 
Was macht die Maske mit uns?


Samstag, 23. Mai 2020
Als Tierärztin behandle ich meine tierischen Patienten vor allem mit Akkupunktur und verschiedenen Schmerztherapien. Meine Praxis habe ich direkt bei mir im Haus, das ist sehr praktisch in dieser Zeit des Homeschoolings! 

Seit der Maskenpflicht trage ich während der Sprechstunde selbstverständlich einen Mund-Nasen-Schutz und erwarte das auch von den Tierhaltern. Das bedeutet, dass ich Frauchen und Herrchen immer nur so halb sehe! Viele der Hunde und Katzen und damit ihre Besitzer betreue ich seit Jahren. Aber natürlich kommen immer wieder neue Tiere dazu. 

Wenn ich jemanden schon lange kenne, ist diese Verhüllung während eines Gesprächs nicht so störend. Aber bei meinen neuen Patienten empfinde ich es immer wieder als seltsam, den Besitzern bei der Anamnese nur in die Augen zu gucken, aber nicht die gesamt Mimik zu sehen. Da merke ich erst, wie wichtig mir neben den Worten auch der Gesichtsausdruck ist, um Menschen einschätzen zu können! Diese ganze non-verbale Kommunikation: Spielt da gerade ein Lächeln um die Lippen? Verzieht sich ironisch der Mund? Empfindet jemand Ekel, Angst, Unsicherheit? 

Vor kurzem war eine Frau mit ihrem Hund zum ersten Mal bei mir in der Praxis, begleitet wurde sie von ihrer Tochter im Teenager-Alter. Die sah mit der Maske toll aus, hatte sehr schöne Augen und langes, gepflegtes Haar. Aber ich habe mich gefragt, wie das Mädchen wohl in seiner Gesamtheit wirken würde – schmeichelte ihm die Maske vielleicht oder verbarg es damit ebenmäßige Gesichtszüge? 

Spannend, was die Maske mit und aus uns macht! Durch die Gesichtsbedeckung würde ich einige Leute wahrscheinlich auf der Straße nicht erkennen – außer, sie haben ihren Vierbeiner dabei! 

Hannah, 14, Kerpen: Geburtstagsfeier ohne Feier


Samstag, 23. Mai 2020
Hey, mein Name ist Hannah und gehe auf das Kerpener Europagymnasium. 

Vor ein paar Tagen bin ich 14 Jahre alt geworden und hatte wegen Corona nicht wirklich die Chance zu feiern. 

Am Morgen habe ich ein Picknick vorbereitet, weil meine beste Freundin vorbei kommen durfte. Um 10 Uhr sind wir dann mit den Rädern los gefahren zu einem kleinen Park mit einem Schloss. Als wir dann da waren, haben wir eine Decke ausgebreitet und etwas gegessen. 

Sie hat mir einen sehr berührenden Brief geschrieben, aber trotzdem konnte ich sie nicht mal umarmen… aufgrund der Abstandsregeln. Das war ziemlich blöd! 

Wir waren gegen Mittag wieder zu Hause. Am Nachmittag konnte leider nicht unsere ganze Familie vorbei kommen. Es war ein sehr komisches Gefühl nicht richtig „feiern“ zu können! 

Aber ich finde, wir haben auf jeden Fall das Beste aus dem Tag gemacht!  

Barbara, 52, Kerpen: Feminismus? 


Freitag, 22. Mai 2020
Krisen wie diese zeigen, wie sehr die Rollenbilder in einer Gesellschaft verankert sind. Jeder macht das, was er verinnerlicht und trainiert hat, und dann läuft der Laden. 

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie kommen die althergebrachten Rollenbilder Frau/Mann wieder hoch, von denen wir doch eigentlich dachten, sie hätten sich gewandelt zu mehr Gleichberechtigung, mehr Miteinander, mehr Aufgabenteilung: 

Frauen scheinen die größere Last zu tragen,  fühlen sich für das Homeschooling und die Hausarbeit wie kochen, putzen, aufräumen und waschen verantwortlich. Auch tritt meist die Frau beruflich kürzer, um die Kinderbetreuung zu übernehmen und hält damit ihrem Mann den Rücken frei. Das finde ich schade, weil ich gehofft hatte, dass hier mittlerweile ein wirkliches Umdenken stattgefunden hat, wenn auch noch nicht alles optimal ist, klar. 

Ich muss aber auch sagen: Frauen, wo seid Ihr? Warum verteidigt Ihr nicht die hart erkämpften Freiheiten und Rechte der Frauen? Warum lasst Ihr Euch so widerstandslos in die alten Rollen zurückdrängen? 

Allerdings, ich selbst habe den Luxus, meine Rolle nicht hinterfragen zu müssen. Ich verdiene gut, ich habe keine kleinen Kinder, die auf meine Hilfe angewiesen sind und ich habe einen Partner, der mich schon immer in meinem Streben nach Freiheit, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung unterstützt hat. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich wurde aber auch schon von klein an dazu erzogen. Meine Mutter, die vordergründig eher dem althergebrachten Rollenbild entspricht und sicher auch keine Feministin im klassischen Sinne ist, hat mir beigebracht, nach Freiheit und (vor allem auch finanzieller) Unabhängigkeit zu streben und mich nicht von einem Mann abhängig zu machen. 

Jetzt, wo sich diese Schwächen der Gesellschaft offenbaren, ist die Gelegenheit, für mehr Gleichberechtigung zu sorgen. Wenn wir alle das wollen, dann kann es gelingen. Hoffe ich zumindest…

Olaf, 47, Kerpen/Westerwald


Freitag, 22. Mai 2020
Vatertag – das ist eigentlich ein fester Termin in meinem Jahreskalender. Seit vielen Jahren treffe ich mich dann mit drei Freunden, mit denen ich schon zu Schulzeiten viel Zeit verbracht habe. Jetzt sehen wir uns nur noch ein paarmal im Jahr, ich wohne schon lange in der Nähe von Köln, meine Freunde sind in der Nähe von Koblenz geblieben. 

An Christi Himmelfahrt, dem christlichen Feiertag, der ja eigentlich an diesem Tag begangen wird, geht es schon relativ früh am Rande des Westerwaldes los, mein Hund ist dabei, in unseren Rucksäcken sind etwas Kohle, viele Würstchen, Bierdosen, abgepackte, fettige Salate und scharfer Senf. Einen Bollerwagen haben wir übrigens nicht! 

Meistens laufen wir dieselbe Strecke und sind sieben bis acht Stunden unterwegs. Wir  picknicken auf einem Gelände, das eigentlich den Pfadfindern gehört. 

Unsere Frauen verbringen teilweise diese Zeit auch miteinander. Am Nachmittag treffen wir uns alle mit unseren Kinder abwechselnd bei einem von den Dreien im Garten und lassen den Tag gemeinsam mit einem Grillabend ausklingen. Diese Tradition ist uns geradezu heilig! 

Aber klar, in diesem Corona-Jahr ist alles anders. Treffen dürfen sich weiterhin nur zwei Haushalte, in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Rheinland-Pfalz. Daher war klar, wir können nicht zusammen wandern gehen. Aber einer meiner Freunde hat uns eine Einladung zu einem Web-Meeting geschickt – und so haben wir gestern 
Abend bei kühlem Bier am eigenen Esstisch gesessen und stundenlang miteinander erzählt. 

Wir sind jobmäßig alle an diese Art der Kommunikation gewöhnt, deshalb fühlte es sich ziemlich normal an, auf diese Art gemeinsam zu lachen, zu trinken und zu erzählen. Das Thema Corona und wie wir mit den Maßnahmen umgehen, welche Prognose wir abgeben und so war natürlich präsent. Aber auch wenn die Pandemie große Auswirkungen auf unsere beruflichen und privaten Alltage hat, haben wir viel mehr über die wirklich wichtigen Themen geredet! 

Einer meiner Freunde hat sich zum Beispiel gerade jetzt in dieser Zeit einen Traum erfüllt und sich ein ziemlich cooles Motorrad gekauft… So was zählt! 

Ron, Theo, Simon, David, Schüler der 8. und 9. Klassen, Kerpen:
Schule? Eher weniger! (Teil I)


Donnerstag, 20. Mai 2020
Wir sind die besten Freunde! In den ersten zwei, drei Wochen nach Beginn der "Corona-Ferien" haben wir Abstand zueinander gehalten und uns nicht getroffen, aber jetzt unternehmen wir wieder ganz viel gemeinsam. 

Ron, 15: Schule ist sehr weit weg! Wir bekommen gar nicht so viele Aufgaben. Schwer sind manchmal die Hausaufgaben in den Sprachen, aber alles Andere geht schnell. Ich fand die Lehrer gerade am Anfang ziemlich unorganisiert. Da kamen Aufgaben auf verschiedenen Kanälen an, per Mail, Teams, WhatApp. Aber jetzt läuft alles über Teams, das geht. Ich bekomme auch oft Rückmeldungen, ob meine Lösungen richtig oder falsch waren.

David, 15: Ich auch, allerdings relativ wenig. Meine Geschichtslehrerin hat mich zweimal angefunkt, einmal hatte ich Geburtstag, das andere Mal hatte ich was vergessen abzugeben. Das bekommt sie also mit! 

Simon, 14: Wir haben ab Ende Mai bis zu Beginn der  Sommerferien nur acht Präsenztage im Gymnasium, das kann man ja nicht ernst nehmen. Aber ich finde, die Lehrer könnten uns mehr fordern. Zum Beispiel mit Online-Konferenzen, so was findet ja kaum statt! Ich habe nur in Französisch einmal in der Woche einen festen Termin, da besprechen wir dann die Lösungen von den Aufgaben der vergangenen Woche. Wenn ich mich etwas konzentriere, kann ich in eineinhalb Stunden alles erledigen, was mir meine Lehrer für den Tag aufgeben. Deshalb mache ich nicht jeden Tag was. 

David, 15: Bei mir ist es sogar noch weniger, ich bekomme kaum Aufgaben gestellt! Ich gehe auf eine Gesamtschule. Da läuft kaum was. Allerdings bekommen wir Hilfe und Rückmeldung bei Aufgaben, die mit Bewerbungen zusammen hängen. Ich möchte nach der 10. Klasse eine Ausbildung machen. Eigentlich sollte ich jetzt in den Osterferien ein weiteres Praktikum in dem Betrieb machen, in dem ich schon mal war. Falls das gut gelaufen wäre, hätten sie mir schon einen Ausbildungsvertrag für Herbst 2021 angeboten. Ich hoffe, ich kann das in den Osterferien nachholen!  

Theo, 14: Ich finde die beiden verschiedenen Kanäle der Software Teams schwierig, oft weiß ich nicht, was ich denn genau machen soll. Die Aufgaben rutschen dann noch oben und dann übersieht man sie schnell. Deshalb bin ich nicht immer sicher, ob ich auch alle Aufgaben bearbeite. Ehrlich gesagt ist mir das aber auch nicht so wichtig, sie dürfen ja nur das Positive werten... 

Ron, Theo, Simon, David, Schüler der 8. und 9. Klassen, Kerpen: Abstand... (Teil II)


Donnerstag, 20. Mai 2020
Die Vier sind heute mit dem Zug in Aachen gewesen. Sie lachen, auf die eineinhalb Meter-Regel zum Abstandhalten angesprochen. Daran würde sich doch niemand halten! 

Überall sehen sie Gruppen, häufig auch Schüler wie sie, die keine Schule haben und deshalb gemeinsam draußen abhängen, ob in Kerpen, Köln oder der Umgebung. 

Das Ordnungsamt sei alleine heute viermal an ihnen vorbei gefahren, habe aber keinmal angehalten, obwohl sie jedesmal zu viert zusammen standen oder eng beieinander Rad fuhren. Eine Kontrolle haben sie noch nicht erlebt, dabei sind sie meist zu viert unterwegs. Eigentlich erwarten sie, dass auch sie mal auffallen und dann die Gefahr einer saftigen Geldbuße droht. 

Ron, 15: Deshalb sind wir meist zu Viert und nicht zu Fünft unterwegs. Falls uns jemand anhält, sagen wir einfach, wir seien jeweils mit einem Freund unterwegs und würden die anderen Beiden gar nicht kennen. 

Ihre Eltern arbeiten alle, teilweise im Homeoffice, fahren aber zumindest phasenweise in ihre Büros oder Betriebe und sind daher auch mit Kollegen zusammen. Für sie geht das Leben trotz Corona relativ normal weiter. Sie haben daher keine Zeit, sich täglich um die Aufgaben oder die Bespaßung der Kids zu kümmern. Die Jungs sagen alle, dass ihre Eltern sich keine großen Sorgen vor einer Erkrankung mit dem Coronavirus machen. 

Simon, 14: Wir kennen alle bisher niemanden, der an Corona erkrankt oder sogar gestorben ist. Der Vater eines Arbeitskollegen und angeblich auch dessen Bruder sind an Covid-19 gestorben, aber sonst habe ich noch von niemandem gehört, der das Virus wirklich hatte. 

David: Meine Eltern haben auch keine Angst vor einer Ansteckung. Wir treffen uns auch bei allen im Haus und das ist für sie okay. Aber sie finden es wichtig, dass wir innerhalb unserer kleinen Gruppe bleiben und nicht noch mehr Leute enger treffen. Falls es dann zu einer Erkrankung kommen sollte, wissen wir zumindest, wer ebenfalls betroffen sein könnte. 

Theo: Natürlich reden wir über das Virus und das Risiko einer Erkrankung. Aber wir haben keinen wirklichen Risikopatienten in der Familie, warum sollten wir also Angst haben?

Zwei der Schüler gehen entgegen der offiziellen Empfehlung auch regelmäßig zu ihren Großmüttern nach Hause. Das sei besser, als die alten Leute alleine zu lassen, sind sie überzeugt.

Ben, 18, und Noah, 14, Indianapolis, USA: Lockdown... 


Mittwoch, 20. Mai 2020
Ben (18): “Lockdown was weird at first, knowing I couldn’t do the fun senior in high school things that normally happen in the spring, like graduating. I remember feeling really demoralized and trying to get schoolwork done online was very difficult to get used to. I’m feeling less helpless about everything now, though, probably because I’m seeing myself and everyone around me start to get used to living in a lockdown situation. It’s fun finding new ways to see people safely, but I do definitely hope that we can return to some normalcy sometime soon.” 

His Mom Laura: "Really cool, in  lockdown Ben did his first live Instagram DJ-ing. Which was amazing to be a part of. Treasuring these special moments! Not all is bad..."

Noah (14): “I miss the socializing. Without it, there isn’t much to do. I walk to the library a lot for exercise but it’s closed and I miss getting new books to read from there. I like some classes online better than in school, but mostly it’s just boring.” 
Laura: " I love to watch him doing is online ballet class! So I can see him, usually I am not around while he practices. "

Nina, 46, Kerpen:
Vorsicht oder Paranoia? 


Dienstag, 19. Mai 2020 
Zahnarzt. Warteplätze mit Abstand draußen in der Sonne. Wir tragen Maske, die Dame an der Anmeldung, alle Helfer, die Zahnärztin. Mein Kind setzt sich auf den Behandlungssessel und zieht seine Maske aus. Alles beginnt ganz normal, ich spiele mit meinem Handy. 

Dann, während der Behandlung, betritt eine Helferin den Raum, die Maske knapp über dem Mund, die Nase frei. Ich möchte am liebsten einen Spruch bringen. Im Nebenraum wird eine Spülmaschine ausgeräumt, dabei trägt die junge Frau keine Handschuhe, ihre Maske hatte sie eben mit den Händen berührt. Ich werde unruhig. 

Meiner Tochter wird ein Handspiegel gereicht. Ist der desinfiziert? Dann soll sie sich in den Mund fassen. Ich erstarre, möchte etwas sagen, aber dann ist es schon passiert. Die Ärztin erklärt ihr etwas, meine Tochter fragt nach. Da nimmt die Doktorin ihre Maske ab, 30, 40 Zentimeter neben dem Gesicht meiner Tochter. Spätestens jetzt sollte ich etwas sagen. Aber ich sage nichts. Möchte nicht hysterisch gelten. Verlasse die Praxis mit weichen Beinen... 

Ich beruhige mich mit den Zahlen: So wenige Menschen im Erftkreis sind infiziert, die Ärztin und ihr Team sind sicher gesund… 

Mira, 43, Sylt: 
Genuss im Strandkorb... 


Montag, 18. Mai 2020
Unser Lieblingsort! Wir haben ein Ferienhaus auf Sylt und durften endlich, endlich wieder kommen! Deshalb haben wir unsere fünf Kinder eingepackt und sind seit Samstag wieder hier. 

Noch ist alles relativ leer und entspannt, nur Zweitwohnbesitzer durften anreisen, aber die Touristen können ab heute kommen. Hamburg hat Maiferien, es wird sicher voll. Heute sind vor allem Schafe unterwegs!

Die Restaurants und Hotels dürfen in den kommenden Wochen nur 60 Prozent der sonstigen Gäste bewirten. Tagestouristen sind übrigens noch nicht willkommen, vor allem aus Sorge vor Vatertag-Gruppen aus angetrunkenen Horden, die die Regeln zum Eindämmen der Pandamie missachten...

Auf der Insel gilt eine generelle Kontaktbeschränkung: Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur allein, in Begleitung von im selben Haushalt lebenden Personen und Personen eines weiteren Hausstandes gestattet, in der Öffentlichkeit sowie im privaten Raum. Auf der gesamten Fußgängerzone herrscht Maskenpflicht, immerhin nicht auf der Promenade oder am Strand. Bei Kontakten zu anderen ist ein Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten. 

Alles wird sicher chaotisch durch diese Abstands- und Hygieneregeln, alleine der Mundschutz für die Bedienung… Bisher haben die Gastronomen immerhin Abhol- oder Lieferservice anbieten dürfen. Getränke bekommt man nur Flaschenweise. 

Wir haben gestern in der Sansibar unser Essen in Pappschachteln abgeholt und sind zum Strand runter gegangen. Dort haben wir uns dann in die Strandkörbe gesetzt und gemütlich mit Blick aufs Meer gegessen. Herrlich! 


Natürlich war es für die Insulaner eine schwierige Zeit, vor allem natürlich für die, die vom Tourismus durch Vermietung und der Gastronomie abhängig sind, aber auch Verkäufer in den Boutiquen, Lebensmittelläden,... Sie haben enorme Einbußen, wie überall… Wir sind gespannt auf die kommende Zeit, mittlerweile sind wir wieder lockerer im Umgang mit Anderen geworden. Wir alle treffen zumindest einige Freunde wieder, auch hier auf Sylt! 


Torben, Mitte 20, Süddeutschland: Wir, die Corona-Familie...


Montag, 18. Mai 2020
Die Hälfte unserer Familie hatte Corona, allerdings schon vor Wochen, als alles noch recht unkooordiniert war. Das scheint ja heute anders zu laufen! Mein Schwiegervater hatte Husten, aber beim ersten Arztbesuch hat noch niemand an Corona gedacht. Dann wurde es schlimmer und der Hausarzt hat einfach mal einen Test gemacht: Positiv! Wir alle, meine Frau, unsere Kinder und ich, kamen deshalb in Quarantäne, da wir sehr engen Kontakt mit meinen Schwiegereltern haben. 

Mit dem Gesundheitsamt haben wir telefoniert und alles mit ihnen die Quarantäne-Regeln besprochen, aber wir haben erst zwei Wochen später, am Tag nach Ablauf der Isolation, vom Amt ein Schreiben erhalten, in dem die offiziellen Anweisungen für unser Verhalten und die Androhung von Strafzahlungen bei Nichtbeachtung erläutert wurden. 

Da wir Pferde auf dem Hof bei den Eltern meine Frau stehen haben, hatten wir trotz Quarantäne eine (mündliche) Sondergenehmigung, die Tiere weiter zu versorgen. Aber natürlich durften wir nicht in die Nähe von anderen Menschen, deshalb hat uns meine Schwägerin mit Lebensmitteln versorgt. Bis auf das fehlende Toilettenpapier (ja, auch hier!) war das für sie zwar sehr anstrengend, aber niemand hat sie wegen angeblicher Hamsterkäufe blöd angemacht. Und natürlich kannten alle drum herum uns als „Corona-Familie“… 

Anfang März, dem Zeitpunkt der Erkrankung, waren auch die Mediziner noch etwas unvorbereitet. Mein Schwiegervater war zweimal im Krankenhaus, aber irgendwie ist es da sehr unangenehm gewesen und er hat sich beim ersten Mal selbst entlassen, beim zweiten Mal hat man seine Beschwerden wieder nicht ernst genommen, obwohl es ihm wirklich schlecht ging und er kaum Luft bekam. Da haben sie ihn nach Hause geschickt. 

Er ist erst Mitte 50, also gehört er offizielle nicht der Risikogruppe an, aber er lag wochenlang zu Hause im Bett, konnte kaum aufstehen und hat viel Gewicht verloren. Seine Frau, selbst erkrankt, aber mit mildem Verlauf, hat ihn so gut es ihr möglich war gepflegt. Das würde heute sicher anders laufen! 

Meine Frau und ich waren wahrscheinlich auch erkrankt, wir haben uns mehrere Tage schlapp und fiebrig gefühlt, aber damals wurde noch nicht so viel getestet, wir blieben einfach in der Isolation, bis wir wieder fit waren. Unsere Kinder, beide im Kleinkindalter, hatten übrigens keine Symptome! Aber wir gehen mal davon aus, dass sie ebenfalls das Virus durchgestanden haben und wir nun für eine gewisse Zeit immun sind. Meinen Schwiegereltern geht es jetzt wieder gut!  

dringeblieben! Konzerte im Livestream für Zuhause


Sonntag, 17 Mai 2020
Besonders schwer ist diese Corona-Zeit für Künstler und Künstlerinnen, die von Live-Auftritten leben: Alle Veranstaltungen sind bis aus Weiteres abgesagt. Damit fallen für Musiker, Theaterschaffende, Schauspieler und andere Performance-Künstler sämtliche Einnahmen weg. 

Aber diese Krise bringt erstaunliche Kreativität hervor: Immer mehr Musiker, ganze Orchester und Bands singen und spielen gemeinsam – und halten sich dennoch an die Kontaktbeschränkungen, denn jeder für sich sitzt dabei am Küchentisch, steht in seinem eigenen Wohnzimmer oder performt im kleinsten Kreis in einem Studio. So kommen sogar Live-Konzerte zustande, die übers Internet zu uns nach Hause finden. 

Sich selbst auszudrücken, dabei Menschen zum Nachdenken anzuregen und sie glücklich zu machen – das steht oft im Vordergrund der Motivation der Kulturschaffenden. Aber wie wird man in Zeiten wie diesen von seinem Publikum gefunden? Auch dafür sind spontan Ideen entwickelt worden. 

Die erst wenige Wochen alte Plattform dringeblieben.de bietet zum Beispiel täglich Livestreams. Hier vereinen sich neben Musikern und Theaterschaffenden auch Fotokünstler, Videografen, Maler und andere Künstler. Zusehen und Zuhören ist kostenlos, aber jeder Fan hat die Möglichkeit sofort zu spenden. 

Die Betreiber der Plattform, die sonst über Rausgegangen& ASK HELMUT Infos zu Veranstaltungen bieten, sagen dazu auf ihrer Seite: 

“Wir sind kein Konzert-, Theater- oder Kino-Ersatz. Mit dringeblieben.de haben wir den Anspruch dich digital zu unterhalten, dein Methadon-Programm in Zeiten von Isolation und kultureller Quarantäne zu sein. Wir glauben, dass Solidarität uns in Zeiten der Krise zusammenhält. Deswegen könnt ihr auf dringeblieben zu jedem Stream ein Supportticket kaufen. Damit unterstützt ihr den oder die Künstler*in, die Venue und unsere Plattformen."

Der Künstler entscheidet dabei frei, wie er sich präsentiert. Manche Musiker, Schauspieler, Maler usw. bieten „ein Glas (imaginären) Sekt“ zum "Kauf", andere bitten um bestimmte Geldbeträge, die meist bei 5 Euro beginnen. Je nach Aufwand der Produktion geht ein bestimmter Teil der Einnahmen an die Veranstalter, aber auch an Projekte, die freischaffende Künstler fördern. 

Hier der Auftritt des Kölner Musikers Peter Worms, der auf dem Foto mit seinem Gitarristen Alex bei der Produktion zu sehen  ist:

Nina, 46, Kerpen: 
Kleine Freuden und erste Termine!


Sonntag, 17. Mai 2020
So viele Wochen hält dieser Ausnahmezustand mit Kontaktbeschränkungen und neuen Abstandsregeln nun an, dass er uns fast „normal“ vorkommt. 

Viele Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind jetzt zum Highlight geworden: Frisches, warmes Popcorn in Kinoqualität zum Beispiel… Unser örtliches Capitol-Theater bietet seit ein paar Wochen jeden Samstag diesen wunderbaren Service für ein paar Stunden, dazu gibt es immer einen tollen, überraschenden Spruch auf der Anzeigentafel, der zu Solidarität und Durchhalten aufruft. In dieser Woche steht da: „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage“ Herrlich! 

Dabei ist wegen der Vorgaben des Ordnungsamts sogar eine Popcorn- und Nachos-Bestellung geradezu kompliziert: schriftlich vorbestellen, Abholwunschzeit angeben, Bestätigung abwarten – und möglichst pünktlich am Kino sein! Alles egal, denn dann: knisternde Tüte oder Pappkarton von einem Maskierten  entgegen nehmen, Duft einatmen (und dabei dankbar denken: „Wie schön, ich kann es riechen, ich habe kein Corona…“), schmecken, genießen, glücklich sein... 

Die Fallzahlen gehen runter und die Lockerungen der Maßnahmen verändern so langsam unseren Tagesablauf, der wochenlang nur Zuhause stattfand. Die ersten Kids gehen tageweise zur Schule, manche Büros öffnen für ihre Mitarbeiter, wir treffen wieder Freunde, noch mit viel Abstand und nur an der frischen Luft, Frauen präsentieren auf Insta stolz ihre endlich vom Friseur verschönerten Mähnen, die Fitness- und Tanzstudios heißen ihre Mitglieder willkommen...   

Und so kommen jetzt auch für mich die ersten Termine wieder, die ich dringend einhalten sollte: Am Montag steht ein mehrmals nach hinten geschobener Termin bei der Kieferorthopädin an. Später in der Woche kommt der Fensterputzer. Zwei Freundinnen haben Geburtstag und ich möchte sie in ihre Gärten überraschen. Unser Hund muss geimpft werden… 

Verabredungen, die ich früher als einen von vielen aufeinander folgenden  Tagesordnungspunkten hatte, überfordern mich geradezu in ihrer Vereinzelung in diesem total entschleunigten Alltag... 

Hoffentlich denke ich an alle! 

Theo, Ende 40, Raum Köln, Gruppenleitung Offene Ganztagsschule, Teil I


Samstag, 16. Mai 2020
Ich arbeite in der offenen Ganztagsbetreuung in einer Grundschule im Raum Köln. In den Medien heißt es, alles laufe gut. Aber in Wirklichkeit ist es eine kleine menschliche Katastrophe! 

Gefühlt brülle ich ganzen Tag: „Abstand halten!“ So bin ich vom pädagogischem Betreuer zum Aufseher geworden, der eigentlich jeden Regelverstoß sofort sanktionieren müsste… Und dabei kann ich ja die Kinder so gut verstehen, sich an diese neue Wirklichkeit zu gewöhnen, ist doch für uns alle schwer. Und diese Kinder sind ja noch klein, wie sollen sie ständig an diese geforderte Distanz denken?

Wir haben bisher nur die Kinder von Eltern mit so genannten systemrelavanten Berufen oder aus Elternhäusern, in denen die Betreuung aus anderen Gründen notwendig ist, bei uns in der OGS. Ich selbst habe jetzt eine Kleingruppe von sechs Kids zu beaufsichtigen. 

Stundenlang müssen sie beschäftigt werden, ohne ihnen zu nahe zu kommen. Eigentlich sollen wir Betreuer die gesamte Zeit unsere Maske tragen. Aber viele Kinder können uns damit kaum verstehen und unsere Stimmung gar nicht einschätzen, ihnen fehlt die Mimik und deshalb nehme ich meine Maske immer wieder ab, um mit ihnen zu reden – und sie auch mal anzulächeln. 

Die armen Kinder! Das ist schon krass, da sitzen sie stundenlang an einem Tisch mit dem vorgeschriebenen Abstand beieinander und dürfen dann zwar ohne Maske miteinander reden, aber sich ohne dieses Ding nicht vom Platz bewegen. 

Nichts darf ausgetauscht werden, kein Stift, kein Radiergummi, erst recht kein Kaugummi verschenkt werden. Ich darf ihnen nicht mal ein Blatt Papier zum malen geben. 

Dabei stelle ich übrigens nicht die Notwenidigkeit des Abstand-Haltens in Frage, sondern möchte hier nur zeigen, dass die Öffnung der Schulen Schwierigkeiten bringt, über die bisher selten berichtet wird...
(Teil II nächster Beitrag)

Theo, Ende 40, Raum Köln, Gruppenleitung Offene Ganztagsschule, Teil II


Samstag, 16. Mai 2020
Einer unserer Erstklässler ist noch sehr bedürftig nach Körperkontakt: Er geht sonst gerne an meiner Hand über den Schulhof und möchte auch mal nach einem anstrengenden Unterrichtsmorgen auf den Schoß und mir dann erzählen, was er erlebt hat. Das darf ich jetzt nicht mehr zulassen und es fällt mir so schwer, diesen kleinen Jungen täglich vor den Kopf zu stoßen.

Übrigens: Trotz Maskenpflicht kommen viele ohne vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz. Wir geben ihnen dann selbstgenähte Masken. Am Anfang haben die Kinder sie zum Desinfizieren mit nach Hause nehmen dürfen. Aber diese Masken haben wir dann nie mehr gesehen! Deshalb sammeln wir sie jetzt ein und lassen sie zentral waschen. 

Auch auf dem Hof müssen wir für Abstand zwischen den Kleingruppen sorgen, aber auch dafür, dass die Kinder untereinander in ihren Grüppchen ebenfalls den vorgeschriebenen Mindeststandard einhalten. Natürlich machen wir viele Bewegungsspiele, bei denen wir weit auseinander stehen können, doch das wird nach ein paar Tagen langweilig. Seit ein paar Tagen dürfen sie deshalb auch Roller und andere Spielsachen mitbringen, die wir dann morgens als erstes desinfizieren und die natürlich nur von dem jeweiligen Kind benutzt werden dürfen. Überhaupt desinfizieren: Ich lege diese Flasche kaum noch aus der Hand, alles muss ständig damit eingesprüht und abgewischt werden!

Was ich selbst vermisse? Die Nähe zu meinen Kollegen. Wir arbeiten ja jetzt fast immer alleine, sonst klappt es mit den vielen kleinen Gruppen nicht. Und diese Absprachen untereinander, gemeinsam mit den Kids zu spielen, sich unkompliziert austauschen zu können über die Kinder und ihre Probleme und natürlich auch ihre Erfolge, das fehlt mir sehr. 

Trotzdem bin ich sehr froh über jeden Tag, den ich arbeiten gehen kann. Ich bin einfach gerne mit den Kids zusammen! 

Thalia, 45, Raum Köln: 
Ich ecke an! Teil I


Freitag, 15. Mai 2020
Mit meiner Meinung ecke ich oft an, selbst bei meiner Mutter. Sie ist unglücklich, denn ich zweifle alles an und nehme das in ihren Augen nicht ernst genug. 

Ich habe mich sehr informiert und man kann nicht sagen, dass diese Maßnahmen wirklich gerechtfertigt waren, auch nicht in den stark betroffenen Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich. Ich vergleiche es mit der Grippewelle und vielleicht wären noch ein paar mehr gestorben, aber es ist nicht so sehr unterscheidbar von den Zahlen der Todesopfer. Meine Tante ist zum Beispiel mit Ende 80 an Schwäche gestorben, aber trotz eines negativen Testergebnisses wurde nun Corona als Todesursache eingetragen. 

Wirtschaftlich ist es natürlich für viele unsere Freunde und auch für uns schlimm, mein Mann ist auch selbstständig. Die Soforthilfe ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein befreundetes Paar arbeitet beide in der Gastronomie und beide verdienen sonst ihr Geld vor allem durch Trinkgelder. Offiziell erhalten sie den Mindestlohn, und natürlich wird der für das Kurzarbeitergeld angesetzt. Sie haben Raten für Haus und Autos zu zahlen und haben zwei Kinder. Diese Familie hat richtige Existenzangst! 

Eine weiteres Problem dieser Zeit: Die Mutter eines Freundes mit 92 Jahren, angeblich auch ein Corona-Opfer, alleine ihrem Altersheim gestorben ist. Niemand durfte sich von ihr verabschieden! Ich finde es grausam.

Das mit Zahlen: Die werden ja alle immer wieder nach unten korrigiert! Sogar offizielle Stellen bestätigen dies. Ich glaube, dass viele Medien da in eine Richtung schießen, aber wenn man mal richtig guckt, stellt man fest, wie wenige Menschen letztlich verantwortlich für die meisten Publikationen sind. Seltsam! 

Thalia, 45, Raum Köln: 
Ich ecke an! Teil II


Freitag, 15. Mai 2020
Die jetzigen Infektionszahlen zeigen doch, dass es ohne Lockdown vielleicht etwas schlimmer geworden wäre, aber auch nicht so schlimm, dass es zu diesem wirtschaftlichen und menschlichen Desaster führen musste. Da fehlen mir geradezu die Worte. 

Auch diese Impfdebatte regt mich auf: Es soll also keinen Impfzwang geben? Wahrscheinlich muss dann aber jeder, der in den Kindergarten gehen oder in einem bestimmten Job arbeiten oder reisen möchte, geimpft werden. Da ist dann doch eine Art Zwang! Ich bin sonst absolut für Impfungen, meine Kinder sind „durchgeimpft“, aber ich möchte das selber entscheiden können – und sicher werden weder meine Kinder noch ich mit einem nicht durchgetesteten Impfstoff geimpft werden. 

Schlimm finde ich auch die Maskenpflicht! Bei den niedrigen Infektionszahlen ist das doch vollkommen unnötig. Für mich ist eine Maske fast wie ein Maulkorb. Es führt dazu, dass sehr wenig miteinander kommuniziert wird. Das greift alles so ineinander: Leute wie ich, die eine andere Meinung als die Mehrheit hat, werden durch die Quarantäne und Kontaktsperren geradezu mundtot gemacht. Viele informieren sich doch nur in den normalen Medien und bilden sich daher keine eigene Meinung! Ich beäuge das alles sehr kritisch. Vor vielen Jahren wurde dieses Szenario im Bundestag mal durchgespielt und ich finde es sehr gruselig mir das vorzustellen. 

Angeblich werden ja politische Entscheidungen in einem abhörsicheren Flugzeug in der Luft besprochen. Echt verrückt! Warum machen sie das? 

Ich möchte kein Spielball der Politiker sein und habe den Eindruck, dass ich es schaffe, das Ganze zu betrachten und eben dadurch diese angebliche Gefährlichkeit des Virus nicht so ernst zu nehmen. Ich habe keine Angst, weder für mich noch für meine Familie.
Aber ich bin sehr froh, wenn dieser Spuck vorbei ist! 

Nadine, 25, Euskirchen: 
Endlich Friseur!


Donnerstag, 14. Mai 2020
Es heißt ja: „Am schönsten sind wir, wenn wir niemandem gefallen wollen“. Dennoch tut ein Friseurbesuch unheimlich gut! 

Mein erster Termin in Corona-Zeiten war erfüllt von großer Freude über ein wenig wieder gewonnene Normalität. Alles ist top organisiert: Im Salon meiner Friseurin desinfiziert sich jeder seine Hände, sobald man den Laden betritt, Mundschutz der Kunden wird vorausgesetzt, dann trägt man sich mit Namen und Adresse in eine Liste ein. Die Sitze sind jetzt weit auseinander gestellt, damit der nötige Abstand eingehalten wird. 

Ausgestattet war das Team natürlich ebenfalls mit Mundschutz, sogar von der Chefin selbst genäht. Zeitschriften und Getränke gibt es zur Zeit nicht. Alle Kunden werden bei der Terminvergabe daran erinnert etwas zu trinken und einen Mundschutz mitzubringen. Für den Notfall gibt es dort aber auch welche. Angst oder Befangenheit fühlte sicher keine der Kundinnen. 

 Alle versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und sich so normal wie möglich zu verhalten. Wir haben wie immer viel gelacht und Spaß gehabt! Die Mädels vom Team haben das Ganze auch sehr gut koordiniert mit den Kunden, damit man den Mindestabstand einhält, auch wenn man z.B. zum Waschbecken musste. 

Das gesamte Werkzeug wird nach der Benutzung mit Desinfektionsmittel gesäubert und dann in eine Box gelegt.
Im Kassenbereich befindet sich eine Trennscheibe zum Bezahlen. 

Klar, der Mundschutz ist ungewohnt, aber trotzdem habe ich mich sehr wohl gefühlt. Danke an das Team vom Haarstudio Rosi in Euskirchen für einen schönen ersten Urlaubstag mit Wellnessfeeling - was für ein Lichtblick in dieser verrückten Zeit!

Sara, 41, Kerpen: 
Keine Angst vor Angstmacherei! 


Donnerstag, 14. Mai 2020
Zu Beginn sprach man von einer Zeit vor und nach Corona - und von einer "neuen Normalität". Im März konnte man sich noch gar nichts darunter vorstellen. Und jetzt, acht Wochen später,ist sie da, die neue Normalität. Aber eine echte Änderung sehe ich für uns persönlich noch nicht in Sicht.

Der Mundschutz ist das neue Accessoire und die meisten Menschen die mir begegnen, halten Abstand. Und um ehrlich zu sein, wenn mal jemand keinen Abstand hält, dann empfinde ich das nun, mit Mundschutz, gar nicht mehr so schlimm. Er verleiht Sicherheit, aber angenehm ist es trotzdem nicht. 

Ich bin früher so gerne einkaufen gegangen. Jetzt ist es nur noch ein Kampf. Ich bin tatsächlich erschöpft, wenn ich nach dem Kauf von Lebensmitteln nach Hause komme! Das ist doch verrückt. Mir fehlt die Unbeschwertheit. Kein Mensch sieht, wenn man lächelt. Jetzt müssen wir wohl alle lernen mit den Augen zu lächeln…

Dass es weiterhin Kontaktbeschränkungen und Maßnahmen gibt, finde ich trotzdem in Ordnung.

Sieht man sich die Zahlen aus dem Rhein-Erft-Kreis an, so sollte man meinen, wäre es nicht mehr notwendig. Und vielleicht es das auch nicht mehr. Aber der Lockdown mit all seinen Veränderungen war so gravierend, so unfassbar krass, dass es meiner Meinung nach nicht sinnvoll wäre, von heute auf morgen wieder zur "alten" Normalität zurückzukehren und in Gefahr zu laufen, die Zahlen hochschnellen zu lassen und eine zweite Krankheitswelle und damit einen erneuten Lockdown zu riskieren.

Derzeit gibt es viele Demonstrationen. Es geht um die Einschränkung unserer Grundrechte, um persönliche Freiheit. Um Verschwörungstheorien und Angstmacherei. Davon lasse ich mir aber keine Angst machen! 

Diana, 50, Erftstadt: 
Den Ansatz töten... 


Mittwoch, 13. Mai 2020
Zunächst möchte ich erwähnen, dass ich meine Friseurin auch privat kenne. Dennoch war mir klar, dass wir während der vom Land verordneten Schließungen der Friseursalons keine Ausnahme machen können. Die Regierung macht das nicht zum Spaß und Gesundheit geht vor. Da kann ich ein paar Wochen mit meinem grau-braunen Ansatz gut klar kommen!
So schlimm war es dann übrigens gar nicht, denn ich habe ja den örtlichen Drogeriemarkt: Der verkauft „the Magicspray“, einmal sprühen und schon ist der fiese Ansatz wieder in der Dunkelheit verschwunden. Damit hatte ich mich vorsorglich ausgestattet. 

Von meiner Freundin bekam ich aber die wirtschaftlichen Sorgen der Saloninhaber wegen der Schließung mit. Schon in den Wochen zuvor hatten viele Kunden aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus ihre Termine abgesagt. Aber Gehälter, Mieten, eigene Lebenshaltungskosten, alles ist ja weiter fällig! Dazu die Sorgen, ob sich die Kunden nach einer Lockerung der Maßnahmen überhaupt in einen Friseursalon trauen… 


Vorsorglich hatte ich mir dann sehr früh einen Termin besorgt. Direkt am Eröffnungstag konnte ich kommen! Zum einen wollte ich damit gerne öffentlich zeigen: „Ich komme wieder!“, zum anderen sollte natürlich endlich mein Ansatz getötet werden! 

Montag um 11 Uhr in der vergangenen Woche war es soweit. Natürlich kam ich mit Schutzmaske, diese Vorgabe hatte ich bereits im Netz gelesen. Im Salon musste ich mich mit Namen und Adresse eintragen. Meine Gala fehlte mir: Zeitungen sind derzeit untersagt. 

Der Rest war eigentlich wie immer, außer, dass meine Friseurin ebenfalls mit Maske und Handschuhen bewaffnet wusch, färbte und schnitt. Die Mitarbeiter waren alle zuversichtlich und guter Laune, denn sie hatten zwar ihre strengen Auflagen zu erfüllen und konnten wegen der Abstandsregeln nicht alle Sitzplätze belegen, aber ihre Kunden strömten hinein! 
Ich war vom Ergebnis, wie immer, rundum zufrieden! Schön das ihr wieder arbeiten dürft!!!! 

Nicole, 49, Kerpen: 
Endlich Fitness! 


Mittwoch, 13. Mai 2020
Erster Tag in meinem Fitnessstudio: 
Ich betrete in Sportklamotten das Fitnessstudio und desinfiziere mir sofort mit dem bereit gestellten Mittel die Hände, dann trage mich mit meinen persönlichen Daten auf einem kleinen Blatt ein. Erst danach darf ich mit meinem Transponder (eine Voraussetzung) durch eine kleine Schranke den Fitnessbereich erreichen. 

Ein Mitarbeiter mit Maske erklärt mir, welche Möglichkeiten ich habe, einen Gegenwert für die geleisteten Mitgliedsbeitrag während der Corona-bedingten Schließung zu erhalten. Erneut fülle ich einen Zettel aus und wähle drei Monate kostenfreie Mitgliedschaft für ein Familienmitglied. 

Dann kann ich endlich trainieren. Umziehen, duschen oder saunen sind derzeit verboten, das Solarium ist gesperrt. Getränke dürfen sie nicht ausgeben, daher habe ich mir ein Getränk mitgebracht. 

Sehr wichtig: das eigene Handtuch, das ich auf die Geräte lege, das aber immer wieder von Mitarbeitern desinfiziert wird. Auch ist wegen der einzuhaltenden Abstandsregeln jedes zweite Gerät gesperrt. Alle Mitarbeiter tragen einen Mund-Nasen-Schutz, ich selbst darf ohne trainieren. 

Auf der Trainingsfläche sind nur eine begrenzte Anzahl von Sportlern erlaubt. Voll ist es während meines ersten Trainings nicht, es ist schön, wieder hier zu sein, aber gleichzeitig fühlt sich diese neue Normalität etwas komisch an… Danach habe ich aber das tolle Gefühl, mich endlich mal wieder ausgepowert zu haben! 

Lou, 10, Königsdorf: 
Wieder Schule! 


Dienstag, 12.Mai 2020
Auf unserem Schulhof sind Kreise aufgezeichnet und haben eine Zahl. Ich habe die Zahl 1 und den richtigen Kreis habe ich an meinem ersten Schultag nach den "Corona-Ferien" auch schnell gefunden. Die Zahlen sind sehr deutlich drauf geschrieben. 

Ich gehe jetzt mit meiner Mutter zur Schule, sonst bin ich immer mit meinen Freundinnen gelaufen. Kurz vor der Schule ziehe ich mir eine Stoffmaske über, am Donnerstag hatte ich eine blaue mit weißen Schleifchen an! 

Wir werden von unserer Klassenlehrerin im Schulhof abgeholt und gehen mit Abstand die Treppe hoch zu unserem Klassenraum. Dort ist ein Wasserhahn. Ich bin wieder als Nummer 1 als Erstes dran und darf den Klassenraum betreten, das Kind mit der Zahl 2 steht an einem aufgeklebten Kreuz hinter mir. Wir waschen uns nacheinander die Hände und setzen uns auf unsere Plätze. 

Meine normale Klasse ist geteilt und wir haben versetzt Unterricht. In meiner Gruppe sind 14 Kinder, aber auch die ist wieder geteilt und wir werden in zwei Räumen unterrichtet. Unsere Plätze sind sehr weit auseinander und wir müssen auf aufgeklebten Linien entlang laufen. Am Platz dürfen wir dann die Masken wieder ausziehen. 

Wenn ich zu unserer Lehrerin gehen möchte, muss ich aber wieder meine Maske anziehen. Vor ihrem Schreibtisch gibt es einen weiteren Tisch, auf den ich meine Aufgabe lege, zu der ich eine Frage habe. Meine Lehrerin guckt sie sich an , kommt dann zu mir und erklärt mir leise, was ich nicht verstanden habe, natürlich trägt sie auch eine Maske. Alles mit Abstand. 

Frühstück haben wir alle dabei, das essen wir jetzt immer am Platz. Wir spielen auch Bewegungsspiele am Platz, weil wir keine Hofpause haben. Donnerstag und Freitag hatten wir drei Stunden Unterricht, aber in dieser Woche haben wir erst am Donnerstag wieder Schule, dann bleiben wir vier Stunden und dürfen wahrscheinlich zu siebt auf den Hof, auf dem wir aber auch nicht herum rennen dürfen, sondern unter Anleitung spielen werden. 

Wir haben seit Beginn dieser Homeschooling-Zeit einen Wochenplan, damit ich weiß, wieviel ich machen muss. Das klappt ganz gut! Das soll jetzt in den nächsten Wochen auch noch so weiter gehen. Zum Glück kann meine Mutter mir bei den Aufgaben helfen, sie hat Zeit, weil sie Hausfrau ist! 

Regine, 50, Kerpen: 
Einen Kaffee im Lieblingscafé... 


Dienstag, 12. Mai 2020
Was war das für ein schönes Gefühl, gestern nach acht Wochen in meinem Lieblingscafé zu sitzen! Das ist das Café Riesen in Kerpen-Sindorf und es hat erst im vergangenen Oktober eröffnet. Deshalb tat es mir besonders leid, als es wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus für so lange Zeit schließen musste.  

Ich war tatsächlich am Montag um neun Uhr die erste Kundin und wurde herzlich begrüßt. Es ist so gemütlich dort! Im Gastraum zu sitzen, Kaffee zu trinken, Zeitung zu lesen und dabei sogar ein Frühstück verspeisen zu können, ist irgendwie gleichzeitig surreal und fast normal… Das Café füllte sich relativ schnell und obwohl die Bedienungen natürlich Maske trugen, so wie wir Gäste bei Ankunft und Abschied, war die Atmosphäre schön und entspannt wie früher, auch wenn die Tische natürlich ziemlich weit auseinander stehen.

Die Betreiber und Servicekräfte sind auch zuversichtlich, dass sie jetzt weiter machen können und sich alles nach und nach normalisiert. Sie sind natürlich streng an die Hygieneverordnungen gebunden, aber das machen sie gerne mit, wenn sie dafür ihre Gäste bedienen dürfen! 

Ich hoffe für die vielen Restaurants und Cafés, dass ihre Stammkunden bald wieder kommen, essen, trinken und sich wohl fühlen – und dadurch das Überleben der Betriebe sichern! Deshalb war ich auch am Montag direkt in meinem Lieblingscafé. Ich war auch vor der Krise oft dort und wollte eine Art Zeichen setzen.

Das war eine wirklich harte Zeit für Viele...

Fanny, 30, Brandenburg,  feiert die Ideen der Kita-Pädagogen, aus der Ferne Nähe zu schaffen


Montag, 11. Mai 2020
Der Kindergarten – ein Ort, an dem Kinder lernen, in einer großen sozialen Gemeinschaft zu leben. Sie lernen sich zu behaupten, sich auch mal unterzuordnen und Kompromisse zu finden. Normalerweise. All das und vieles mehr müssen meine Kinder (2 und 6 Jahre alt) nun schon seit zwei  Monaten entbehren. 

Einerseits freuen sie sich noch immer über so viel Spielzeit zu Hause, andererseits vermissen sie nicht nur ihre Freunde – sondern auch die Erzieher. Den Erziehern geht es genauso. Darum haben sie sich schon allerhand Herzerwärmendes ausgedacht:
Den Morgenkreis der Krippe gibt es jetzt als Video und jedes Kind überraschte in den letzten Tag ein lieber Brief. Die Vorschulkinder tauschen sich jetzt ihre Lieblingsbücher untereinander aus und beobachten zu Hause Sonnenblumensamen beim Wachsen. Vor der Kita wächst ein besonderes Tier jeden Tag und wird immer bunter: Eine Steinschlange! Jedes Kind kann einen bemalten Stein anlegen – so sind alle doch miteinander verbunden. 105 Steine sind es schon. Ich freue mich als Mutter fast noch mehr darüber als die Kinder – zeigt es doch, dass Kreativität Familien in dieser herausfordernden Zeit verbinden kann. 

Und wer weiß, vielleicht können die Sonnenblumen schon bald im Kitagarten in Gemeinschaft groß werden!

Nic, Anfang 30,  
Marktleiter in einem Supermarkt in NRW


Montag, 11. Mai 2020
Systemrelevant? Ich musste ein wenig schmunzeln, als das zum großen Thema in den Medien wurde. Wir verkaufen Lebensmittel… 

Aber natürlich freut man sich, wenn man eine solche Anerkennung erhält. Die Händler waren ja ganz unterschiedlich vorbereitet

Ich verfüge über ein großes Netzwerk und habe mich tagelang ans Telefon gehangen, bis ich das Gewünschte für den Markt einkaufen konnte. Daher haben wir auch in der großen „Toilettenpapier-Krise“ unseren Kunden genau diese Produkte anbieten können: Natürlich etwas teurer und nicht in der gewohnten Qualität und Auswahl – aber dieser Service wurde von den Meisten anerkannt, auch wenn es ja immer ein paar Nörgler gibt, die das Papier zu teuer und zu dünn fanden. Masken konnte ich ebenfalls relativ schnell besorgen und die Leute haben sie uns aus den Händen gerissen. 

Meine Mitarbeiter fühlten sich immer einbezogen und gut informiert – wir haben sehr früh in Eigenarbeit mit Baumarkt-Produkten Plexiglas an den Kassen angebracht und so für Schutz gesorgt, auch Desinfektionsmittel war jederzeit vorhanden. 

Und: Bisher hat sich noch kein einziger meiner Mitarbeiter wegen einer Infektion mit Corona krank gemeldet! 

Tanja, 46, München: Das Leben nimmt wieder Fahrt auf! 


Sonntag, 10. Mai 2020 
Langsam entspannt sich alles! 
Es dauert zwar, aber wir wissen jetzt, wie es mit der Schule weitergehen wird:
Unsere Tochter ist auf dem Weg zum Abi und wird als Oberstufenschülerin ab der kommenden Woche, unser Jüngster eine Woche später wieder zur Schule gehen, unser Achtklässler allerdings erst nach Pfingsten. Die Klassen werden kleiner sein, doch es gibt wohl regelmäßig einige Stunden Präsenzunterricht, so ist zumindest der Plan bei uns in München. Ich bin erleichtert: Es wird Zeit für mehr Normalität... 

Das Leben nimmt Fahrt auf! Kleinere Läden haben geöffnet und ich war mit zwei Freundinnen in einem Miniladen shoppen, natürlich mit Mundschutz, aber diese Auflage erfülle ich gerne. Wir waren die einzigen Kundinnen, die gleichzeitig auf der Verkaufsfläche sein durften, aber es war kurz fast wie immer! 

Die sozialen Kontakte werden also wieder mehr. Aber vieles läuft seit Wochen über Zoom, so auch meine Weiterbildung an der Uni. Manches mache ich mit, zum Beispiel meinen Sport, meinen Konversationskurs in Französisch fand ich dann aber zu schwierig. 

Wir genießen die Zeit zu fünft, die Kinder sind natürlich fast nur zu Hause, und haben im Haus herum gewerkelt und ganz viel geschafft.
Meine weitere Familie fehlt mir aber sehr: 
 Ich würde so gerne meine Eltern sehen und sie wollen Ende Mai gemeinsam mit meiner Schwester aus dem Rheinland kommen. Sie haben Tickets für die Bahn gekauft und wir gehen davon aus, dass sie Ende Mai wirklich kommen dürfen! 

Witwe,  Mitte 60, Rheinland: Trauerfeier unter Bäumen


Sonntag, 10. Mai 2020
Eine kleine Beerdigung, statt eines großen Begräbnisses. Draußen stehen, statt in einer Trauerhalle zu sitzen. Ein ganz keiner Kreis. 

Ich habe es geschafft, dass mein Mann zu Hause bei mir geblieben ist. Er kam nicht für die letzten Tage seines Lebens ins Krankenhaus! Da hätte ich ihn nicht besuchen dürfen, er wäre in der Todesstunde alleine gewesen. Was für eine Horror-Vorstellung! Ich habe mit Hilfe einer Freundin und dem wirklich kompetenten und einfühlsamen Palliativ-Team dafür gesorgt, dass mein Mann im vertrauten Kreis langsam einschlafen konnte. 

Und jetzt sind wir hier auf dem Friedhof unseres Heimatortes. Wir müssen Abstand halten, stehen unter einem Baum, hören der Pfarrerin zu, die aus dem Leben meines Mannes erzählt und über diese Corona-Zeit, wenn auch mein Mann nicht daran gestorben ist. 

Mein Mann hat nicht gerne groß gefeiert, er brauchte nicht viele Menschen um sich, auch Musik war ihm nicht so wichtig. Aber er hatte ein gutes Verhältnis zu seinen Brüdern und seinen Schwägerinnen, sie sind auf dem Friedhof dabei, auch einige Freunde, die seinen Sport geteilt haben, sind gekommen. Wir sind dankbar, dass wir überhaupt mit so Vielen Abschied nehmen dürfen, wenn auch ohne die üblichen Zeremonien. 

Und wir haben Glück, es ist kalt, aber es regnet nicht. Danach kommen ein paar Trauernde mit zu mir nach Hause. Aber einige haben Angst vor Ansteckung und gehen nach der Beisetzung wieder. So muss ich wenigstens nicht 300 Menschen mit Kaffee und Kuchen beköstigen. Wir sind sehr bekannt, ich wäre nicht dran vorbei gekommen. Aber ich fand die Idee eines Leichenschmauses schon immer unerträglich! 

Braut, Köln, 31: 
Jetzt erst recht! Teil  I


Samstag, 9. Mai 2020 
Eine Hochzeit in Corona-Zeiten! 

Lange geplant, Termin gefunden, Einladungen versandt, Junggesellinnenabschied organisiert, Kleid gekauft, Caterer bestellt, Hochzeitsreise gebucht… und dann kam Corona… 

Wer diesen Blog verfolgt, weiß, dass wir in der letzten Phase unserer Verlobungszeit kämpfen mussten: Mein Ehemann (oh, wie schön das klingt!!) gehörte mit seinen Freunden und meinem Bruder zu den ersten Corona-Infizierten von Köln – sie waren in Ischgl Ski laufen und feiern… Kaum war er wieder gesund, kam der Lockdown. 

Ich war insgesamt vier Wochen in Quarantäne, meine beiden Tests waren aber negativ. In der Zeit habe ich neben der Versorgung meines kranken Freundes und dem Homeoffice schon ganz viel für unsere Hochzeit vorbereitet, Deko gebastelt und Abläufe überlegt. 

Zwischendurch waren wir natürlich total verzweifelt – wir haben aber nie ernsthaft überlegt, die Mai-Hochzeit abzusagen. Viel zu sehr wollten wir gerade durch diese verrückte Zeit endlich verheiratet sein – wäre mein Mann als mein Freund ins Krankenhaus gekommen, hätte man mir offiziell nicht mal über seinen Zustand Auskunft geben dürfen… 

Unsere Familien haben das absolut verstanden und uns dabei unterstüzt! 

Braut, Köln, 31: Traumhochzeit in Corona-Zeiten! Teil II


Samstag, 9. Mai 2020
Bei der Planung haben wir dann, wie mein Papa in seiner schönen Ansprache sagte, für jeden Plan A Plan B parat gehabt. Natürlich wurde die große Party abgesagt, aber die meisten unserer engen Freunde und einige aus unserer Familie haben ja ebenfalls schon das Virus durchgemacht und sind deshalb ohne Sorge vor einer Ansteckung dabei gewesen. Trotzdem haben wir in den vergangenen Wochen täglich die Entwicklung der Infizierten-Zahlen verfolgt und zwischendurch große Sorge gehabt, dass das Standesamt an unserem Termin keine Eheschließungen vollziehen darf, wie das ja in einigen Städten der Fall war.

Zwei Tage vor unserer Hochzeit kamen dann einige Lockerungen, die für uns ganz toll waren: Ins Standesamt durften neben uns noch vier weitere Personen – wenn auch auf dem Weg zum Trauzimmer mit Maske – und unten auf dem Hof durften sich tatsächlich einige Freunde und Verwandte versammeln! 

Die Standesbeamtin war wunderbar – wir haben am offenen Fenster "Ja" gesagt und so haben es alle im Hof miterlebt und sind in Jubel ausgebrochen! 

Unsere Party im Garten meines Elternhauses war trotz relativ vernünftig eingehaltener Abstandsregeln der Knaller – mitten in der Nacht kam sogar die Polizei, aber nicht wegen Corona, sondern weil wir zu laut waren! In der Nacht waren wir nicht im Bett. Erst um sechs Uhr morgens hat uns das Taxi abgeholt… Eine Traumhochzeit trotz oder gerade wegen Corona! 

Jetzt hoffen wir, dass wir im September unsere freie Trauung auf einem Schloss feiern können. Eingeladen sind 130 Gäste… 

Betti, 47, aus einer Großstadt im Norden, arrangiert sich 


Freitag, 8. Mai 2020
Als Staatsanwältin lebe ich durch die Präsenzpflicht im Gericht ein paar Tage pro Woche eigentlich recht normal, bis auf die Masken, die natürlich verpflichtend sind. 

Meine Arbeit hat sich nicht wirklich geändert. Im Alltag verhalte ich mich natürlich anders als sonst: Die Öffentlichen Verkehrsmittel meide ich, das Meiste kann ich mit dem Fahrrad erreichen. Gitarrenunterricht, Spielerunde und Kirche laufen jetzt online. Das klappt auch! Die wöchentliche Chorprobe und die Besuche bei meinen kleinen Patenkindern in der Nähe von Helmstedt fehlen mir aber doch. 

Ich fahre alle drei Wochen über das Wochenende zu meinen Eltern, die schon über 80 Jahre alt sind, um ihnen etwas unter die Arme zu greifen. Das ist eine Entscheidung meiner Mutter, sie weiß um die Risiken, aber geht sie ein, um mich zu sehen. Obwohl ich fast fünf Stunden fahren muss, nehme ich zur Zeit mein Auto, so gefährde ich weder mich noch meine Eltern durch Kontakte in der Bahn. 

Zum Glück habe ich meinen kleinen Garten mitten in der Großstadt, da lässt es sich aushalten. Einkaufen kann ich im Großhandel (Selgros gibt auch kleine Mengen ab), da geht es sehr gesittet zu. Im Ganzen komme ich gut durch diese Zeit! 

Vila, 10, Königsdorf: Endlich wieder Schule! 


Freitag, 8. Mai 2020
Ich wollte Euch ein bisschen von meinem ersten Schultag nach den Corona-Ferien erzählen. Direkt vorweg: Umarmen wie oben auf dem Foto geht wegen der Ansteckungsgefahr natürlich noch nicht! 

Gestern wurden wir von unserer Lehrerin auf dem Schulhof abgeholt und dann sind wir hoch in den Flur, in dem unsere Klasse liegt. Wir haben uns in einem Kreis aufgestellt. Dann ist das erste Kind in die Klasse reingegangen und hat sich am Waschbecken ordentlich 30 Sekunden lang mit Seife die Hände gewaschen. Auf dem Boden sind jetzt überall Markierungen. Jedes Kind ist immer ein Kreuz nach vorne gerückt, wenn das vor ihm frei wurde und immer so weiter. 

Unsere Klasse. In unserem Klassenraum werden neun Kinder unterrichtet und in dem Raum der Nachmittagsbetreuung sind fünf Kinder, da gehe ich auch hin. Es gibt Linien auf dem Boden, an denen wir entlang gehen sollen. Wenn wir durch die Klasse gehen, sollen wir einen Mundschutz tragen. 

Wir waren drei Stunden in der Schule, und wenn man möchte, kann man danach in die OGS, also die Nachmittagsbetreuung, gehen. Aber ich bin dann von meiner Mutter abgeholt worden. Es war toll, mal wieder Kinder und Freunde richtig und nicht nur auf dem Handy zu sehen! 

Micha, 46, Königsdorf, 
eingefleischter Fußball-Fan


Donnerstag, 7. Mai 2020
Geisterspiele? Ich bin ein eingefleischter Fußballfan. Mir geht kaum was über das Gefühl, mit Freunden ein Spiel im Stadion zu verfolgen und bei jeder Ballbewegung mit zu fiebern, singend, jubelnd, fluchend. Davon lebt der Fußball! 

Aber bei dem Rhein-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am 11. März 2020 (2:1), das wegen der Ausbreitung des Coronavirus ohne Zuschauer stattfand und nach dem zwei Tage später der Spielbetrieb eingestellt wurde, kam keine Atmosphäre auf: Ohne Fans auf den Rängen ist Fußball nur ein Hin- und Hergekicke. Auch sehe ich wie der Bremer Oberbürgermeister Bovenschulte die Gefahr, dass sich Fans privat oder sogar vor den Stadien versammeln, um gemeinsam die so genannten Geisterspiele zu verfolgen – und so eine Ausbreitung des Coronavirus vorantreiben. 

Dazu passt das Video aus dieser Woche, in dem der nun suspendierte Spieler Kalou bei Hertha zeigt, wie er allen die Hand reicht und alle, Spieler wie Therapeuten, mitmachen bei dieser Missachtung einer der wichtigsten Hygieneregeln– da läuft was falsch. Sie scheinen in so einer künstlichen Blase zu leben und sich unangreifbar zu fühlen, dass ich das nicht mehr nachvollziehen kann. 

Klar, viele Arbeitsplätze hängen von diesem hochprofessionell organisierten Sport ab, aber in den vergangenen Jahren wurden hier unfassbar hohe Summen erwirtschaftet. Ich halte es daher für absolut falsch, hier mit Steuergeldern zu helfen. Das ist keine staatliche Aufgabe. Wenn wir nur diese Sorgen hätten, wäre alles gut!  

Christiane, 43, Königsdorf: Ab heute wieder Schule!


Donnerstag, 7. Mai 2020
Ich stehe dem Schulstart mit gemischten Gefühlen gegenüber: Natürlich freue mich sehr für meine zehnjährigen Kinder, da sie ihre Freunde sehr vermissen. So langsam lässt auch die Motivation im Homeschooling nach, bisher lief es gut, sie haben das ganz toll mitgemacht, aber jetzt ist ein Punkt erreicht, bei dem der Spaß abnimmt. 

Und die in der Schule getroffenen Maßnahmen sind super, da ist anscheinend alles gut vorbereitet und die meisten Kinder der 4. Klassen sind sicher durch die Elternhäuser ebenfalls mit den Hygiene- und Abstandsregeln vertraut. Die Lehrer unserer Kinder werden sich bestimmt auch sehr engagieren und darauf achten. 

Aber im Kontext der vielen Lockerungen, die sich geradezu überschlagen, sind auch Sachen, die ich nicht für lockerungswürdig empfinde. Ich habe Sorge, dass es zu viel auf einmal ist und dass wir bei Anstieg der Infektionszahlen nicht ausmachen können, woher denn diese Ansteckungen kommten. Für mich wäre es sinniger, wenn man sich erst auf die Schulöffnungen konzentrieren würde und dann nach und nach wieder andere Lebensbereiche hinzuziehen würde. Da wird doch alles vermischt und wir werden nicht wissen, ob die Öffnung von Ikea oder der Schule mit erhöhten Fallzahlen zu tun haben!

Ich bin übrigens gerade etwas traurig. Wir haben eben erfahren, dass die Klassenlehrerin unseres Sohnes zur Risikogruppe gehört und die Klasse daher in nächster Zeit nicht unterrichten darf! 

Sabia, 17, 
Gedanken einer Oberstufenschülerin in Kerpen


Mittwoch, 6. Mai 2020
Wir sitzen zu viert am Mittagstisch, alle sind im Homeoffice und mal wieder ist Thema, wann ich denn nun in die Schule gehe…fast jede Woche aufs Neue diese Frage in den Coronazeiten.
Unvorstellbar ist es früher gewesen, eine solch lange Zeit fernab von Schule, ohne meine Freunde, Umarmungen, Lachen und Quatschen, auch ohne meine Lehrer zu leben; aber nun geht alles digital.

Wie wird es weitergehen? Ich bin in der Q1 und somit ist der ganze Stoff abiturrelevant. In den drei Wochen vor den Osterferien habe ich noch nicht so wirklich drüber nachgedacht, wie lange diese Situation noch anhalten wird und jetzt nach den Osterferien ist alles immer noch ungewiss. Keiner kann mir konkret die Frage beantworten, wann und wie es wieder losgeht. Eigentlich sollte ich das von der Schule oder den Lehrern erfahren. Aber es kommt nichts Konkretes und auch wenn, dann nur unterschiedliche Aussagen. 

Wir bewältigen einfach nur still unsere Homeschoolingaufgaben, arbeiten uns selbstständig in neue Tools ein, fragen uns, ob unsere Aufgaben überhaupt korrigiert oder am Ende doch benotet werden und ansonsten warten wir nur ab, bis uns jemand sagt: und jetzt wieder Schule! 
Und trotz alledem ist es so schön, frei und flexibel meinen Schulstoff selbst einteilen zu können und diese andere Art Schule zu genießen.

…Habe den Eindruck, die Wochen fliegen nur so dahin. Ich glaube nicht, dass ich noch bis zu den Sommerferien viel in der Schule sein werde. Die nahe Zukunft ist noch vollkommen unklar, unplanbar. Aber Hauptsache ist und bleibt doch, dass meine Familie und meine Freunde gesund sind!

Rektorin einer Grundschule im Rhein-Erft-Kreis


Mittwoch, 6. Mai 2020
Wir stehen alle unter Druck und Stress, das ist klar, denn alles ändert sich ständig. Aber das gilt ja nicht nur für uns Lehrer und unsere Schüler, sondern für alle Menschen in Deutschland. So eine Situation gab es noch nie und es ist seit Wochen ein Herantasten an die neuen Gegebenheiten, was natürlich dazu führt, dass Pläne mühsam aufgestellt und dann doch wieder verworfen werden.

Zum Glück sind wir an meiner Grundschule ein tolles Team und haben uns im Lehrerkollegium von Beginn der Schulschließungen an intensiv ausgetauscht und unterstützt. Die neuen Anforderungen an diese andere Art der Lernvermittlung fordern uns natürlich sehr. So müssen wir alle Inhalte der Unterrichtsfächer so aufbereiten, dass die Grundschüler sie sich alleine oder mit Hilfe der Eltern erarbeiten können. Aber wir haben großes Glück: Wir haben eine tolle, engagierte Elternschaft, die unsere Arbeit in weiten Teilen mit intensivem Homeschooling unterstützt! Natürlich sind wir ständig im Austausch mit den Eltern und helfen bei Problemen, soweit es telefonisch und elektronisch geht. 

Übrigens: Die Aussagen in den Medien, die Schulleitungen seien "jetzt" wieder in der Schule, sind etwas irreführend: Ich als Rektorin einer Grundschule war auch in der schulfreien Zeit täglich hier! Wir hatten definitiv keine so genannten Corona-Ferien. Auch das ganze Kollegium war in der ganzen Zeit zur Erledigung der Dienstgeschäfte unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen in der Schule.  

Jetzt hoffen wir sehr, dass es ab Mittwoch für Eltern und Schüler, aber eben auch für uns Lehrer Planungssicherheit geben wird: Gerne würden wir den Schulbetrieb wieder aufnehmen und im Einklang mit den neuen Hygiene- und Abstandsvorgaben die Kinder unterrichten und dafür sorgen, dass es ihnen gut geht. Wir freuen uns sehr auf unsere Schüler! 

Betty, 
selbstständige Tätowiererin, Erftstadt, 1. Teil


Dienstag, 4. Mai 2020 
Der bekannte Karikaturist Ruthe hat das Dilemma in einem Tweet gut zusammengefasst.  
Was Selbstständige vor Corona immer hören mussten:
„Das machst du doch in ein paar Stunden. Warum ist deine Arbeit so teuer?“
Was Selbstständige seit Corona immer hören müssen:
„Krass, dass du jetzt um deine Existenz bangst. Warum hast du denn keine Rücklagen?“

Ich bin selbstständige Tätowiererin und arbeite normalerweise in einem Brühler Studio. 
Zum Glück habe ich noch einen Nebenjob. Leider reicht der Mindestlohn kaum zum Leben oder Sterben, aber immerhin bin ich krankenversichert.

Da Dienstleistungen mit körperlicher Nähe unter Ausnahme von Friseuren weiterhin untersagt bleiben, muss ich mich an das Berufsverbot halten. Hygiene wird in meiner Branche großgeschrieben und genau das verursacht mir Bauchschmerzen im Alltag. Den wenigsten Menschen ist bewusst, wie die Übertragung von Keimen funktioniert, geschweige denn welche Komplexität hinter einem Hygieneplan steckt oder welche Vorschriften es bei der gewerblichen Nutzung von Desinfektionsmitteln gibt. Viele dachten ja, dass man einen Mund-Nasenschutz trägt um sich selbst vor Ansteckung zu schützen. 

Meine Gedanken kreisen deshalb besonders um den Nebenjob, bei dem ich mit Kindern zu tun habe, die sich solcher Gefahren (zum Glück) meist noch viel weniger bewusst sind. Mindestens eineinhalb Meter Abstand halten, einen Mundschutz tragen, sich ordentlich die Hände waschen und vor allem nicht dauernd ins Gesicht fassen, das sind Grundregeln, die wir Erwachsenen schon mehr schlecht als recht einhalten. Wo bleibt mein eigener Schutz und wer übernimmt die Verantwortung? (...)

Bitte besucht mich mal auf meiner Website! 

Betty, 
selbstständige Tätowiererin, Erftstadt, 2. Teil


Dienstag, 4. Mai 2020
Große Unternehmen haben eigentlich immer Anspruch auf Soforthilfe. Bei uns Solo-Selbstständigen sieht das oft anders aus: „Sie können ja Hartz4 beantragen.“, heißt es auf dem Amt oft. 

Ja, Dankeschön. Der so genannte "vereinfachte Antrag" auf Soforthilfe beinhaltet trotzdem oft noch die Buchhaltung der letzten sechs Monate und wird teilweise einfach abgelehnt. Das lasse ich einfach mal kurz wirken. -

Ich bin froh, dass meinem Kollegen, in dessen Studio ich als selbständige Tätowiererin arbeite,  zumindest die Soforthilfe zugesprochen wurde und somit eine Chance besteht, dass mein Arbeitsplatz noch existiert, wenn der ganze Spuk vorbei ist.

Manch einer schreit nach der Wiedereröffnung der Studios gemeinsam mit den Friseuren jetzt im Mai. Ich vermisse meine Arbeit wirklich sehr, möchte aber unter den derzeitigen Bedingungen noch gar nicht so nah am Kunden arbeiten. Meine Kunst ist Körperverletzung und schwächt, wenn auch nur geringfügig und für einen kurzen Zeitraum, das Immunsystem meiner Kunden. 
Hinzu kommen die gestiegenen Kosten und langen Lieferzeiten für diverses Verbrauchsmaterial welches unter Umständen an anderer Stelle wesentlich dringender benötigt wird.

Auch wenn viele Kollegen – oder ihre Egos – das anders sehen mögen: Unsere Luxusdienstleistung ist gerade überflüssig wie ein Kropf. Aber die Existenzangst sitzt vielen im Nacken wie ein Bolzenschussgerät. 

Ich denke, hier kann ich noch andere Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen hinzurechnen, die ins Straucheln geraten, weil Aufträge wegbrechen oder eben ein Berufsverbot verhängt wurde. Viele wagen kaum darüber nachzudenken, wie sie diese Phase überstehen sollen. Zur Zeit schaffe ich es noch, mich mit Auftragsarbeiten und meinem Nebenjob über Wasser zu halten... 

Lila, 35, Familienleben in 
Coronazeiten auf Ibiza 


4. Mai 2020
Wir sind sehr froh – jetzt dürfen wir auf der Insel Ibiza auch wieder vor die Tür, seit Neuestem sogar mal alleine, also ohne Kinder. Allerdings ist uns das immer nur zu genau festgelegten Uhrzeiten erlaubt: Zwischen 6 und 10 Uhr morgens und 20-23 Uhr abends dürfen wir Erwachsenen nach draußen, mit den Kindern können wir zwischen 12 und 19 Uhr raus gehen. Für ältere Menschen sind ebenfalls einige Stunden exklusiv reserviert. Das wird streng kontrolliert. Aber es ist so schön wieder einfach so vor die Tür zu gehen! Weiterhin dürfen wir keinen direkten Kontakt zu anderen Menschen haben, nur beim Einkaufen, beim Arzt oder in der Apotheke reden wir also mit „haushaltsfremden“ Personen. 

Sogar die Strände sind endlich wieder geöffnet. Aber man darf nicht „beachen“, sich also eigentlich nicht länger am Strand aufhalten und ein Handtuch ausbreiten. Entweder man läuft hin und her, geht also „spazieren“ oder schwimmen. Denn Sport ist erlaubt. Verrückt, diese Vorschriften! Wir setzen uns trotzdem mit den Kindern hin und lassen sie im Sand spielen. Es ist so viel besser als eingesperrt zu sein! Es tut uns so gut… 

Unsere beiden Kids haben die Zeit aber bisher super hinbekommen. Wir wissen jetzt, dass sie erst im September wieder zur Schule gehen können. Die Zwei sind ganz zufrieden mit der Situation und fragen nicht mehr nach ihren Schulfreunden. Es ist so schön, dass sie zu zweit sind und so miteinander spielen können! 

Köln, Kerpen, Berlin, Düsseldorf: Junggesellinnenabschied... dann halt online!  


4. Mai 2020
Junggesellinnenabschied mal Anders! Meine Cousine heiratet in einer Woche und wir wollten unsere Braut eigentlich ein Wochenende lang entführen – alles war organisiert und gebucht, aber dann kam CORONA. Während die Einen Panik bekamen und die Anderen meinten, wir würden uns ja wohl nicht von so 'nem Virus abhalten lassen, wurde uns die Entscheidung abgenommen: Erst kamen die Schulschließungen, dann wurden Grenzen und Geschäfte geschlossen, dann die Kontaktsperre erlassen – alles unfassbar. Der Alltag für uns alle änderte sich radikal und es war eigentlich klar, dass der Junggesellinnenabschied nicht stattfinden würde. Aber dann haben ihre Schwester und eine Freundin einen Online-Abschied organisiert! 

Unsere Braut wurde am frühen Abend überrascht: Es klingelte bei ihr und vor ihrer Tür fand sie einen Koffer mit Dekoration und verschiedenen Flaschen Alkohol vom bunten Cocktail über Sekt bis zum Schnaps samt Glas. Nach einigen technischen Schwierigkeiten ging es richtig los und wir haben zu zehnt tatsächlich fünf Stunden lang gequatscht und getrunken! Das Highlight: Auf unsere Bildschirme projizierte Fotos von uns mit der Braut aus den ganzen vergangenen drei Jahrzehnten – ein Brüller nach dem anderen und wunderschöne Geschichten aus dem Leben unserer Braut… 

Nic, Mitte 40, Flugbegleiterin Raum Düsseldorf


Sonntag, 3. Mai 2020
Mein erster Flug seit sieben Wochen: Parkhaus Düsseldorf: leer, sonst gibt es hier kaum freie Plätze. Der Weg zum Crewraum führt mich quer durch den Flughafen, in dem sonst das Leben pulsiert: wie eine Geisterstadt. Am Terminal: kein Schalter besetzt. Vor Flugantritt: Maske abholen für das Flugpersonal. 

Meine Strecke: Düsseldorf – Rumänien – Baden -Baden – Düsseldorf. Auftrag: Erntehelfer nach Baden Baden bringen. 

Von Düsseldorf nach Rumänien fliegen wir mit leerer Maschine, in Rumänien gehen alle Passagiere, 160 Rumänen, mit Maske an Bord. Wir als Personal tragen ebenfalls auf dem gesamten Flug nach Baden-Baden Mund- Nasen-Bedeckungen. Alle unsere Passagiere sind sehr nett, fast keiner deutschsprachig, viele von ihnen fliegen das erste Mal. Wir versorgen sie für den Flug mit zwei Flaschen Wasser und einem abgepackten Sandwich. 

Baden-Baden, das Aussteigen dauerte eine Ewigkeit: Abstandsregeln erlauben nur 20 Leute in einem Bus. Also immer hin zum Terminal und zurück zum Flieger, bis alle am Flughafen angekommen sind. Dann wieder Ferry (also ohne Passagiere) zurück nach Düsseldorf. 

Was war das schön, mal wieder die Sonne über den Wolken zu sehen! Ich habe den Flug trotz dieser seltsamen Zeit und den Vorgaben sehr genossen!! 

"Eva", anonyme e-Mail-Schreiberin, Medizinstudentin und Rettungssanitäterin


Sonntag, 3. Mai 2020
Ich finanziere mein Medizinstudium als Rettungssanitäterin. Für mich sind alle Einsätze, ob mit Covid-bestätigten Patienten, Verdachtsfällen oder auch "der normale Einsatz"  übliche Dienste, wenn derzeit auch mit erhöhtem Mehraufwand an hygienischen Sonderregeln. Auch ich trage im Einsatz natürlich Mundschutz, Schutzbrille und Schutzkleidung. Angst habe ich auf der Arbeit nicht. 

Infektiöse Patienten zu fahren ist für mich normal, wir fahren multiple resistente Keime, Tuberkulose und andere zum Teil hoch ansteckende Erkrankungen. Diesmal ist es eben eine Pandemie, wegen der ich mich inzwischen bei jedem Einsatz präventiv erweitert schützen muss. Im Vergleich zu manch anderen Dingen ist das - im Einzelfall betrachtet - harmlos. 

Die Gefahr, dass ich mich im Supermarkt oder in der Öffentlichkeit anstecke, wo viele Menschen die Hygienemaßnahmen unwissentlich falsch anwenden, sehe ich deutlich höher als während meiner Arbeit, wo ich zwar eine höhere Konfrontation mit infektiösen Patienten habe (und damit meine ich nicht nur Covid-19-Positive), aber definitiv besser geschützt bin - auch durch das entsprechend geschulte Verhalten der anderen Teammitglieder.

Übrigens: Angebote, als Studentin der Medizin als zusätzliche Kraft auf reinen Covid-Stationen zu arbeiten, gibt, bzw. gab es von verschiedenen Stellen, offiziell auch vom Bund.  Bevorzugt gesucht wurden Medizinstudenten mit medizinischer Ausbildung. Sie sollten dann aber zum Mindeststundenlohn arbeiten. Eine direkte, ernst  zu nehmende Aufforderung ist das für mich natürlich nicht.  Wenn sie geschultes Personal benötigen, sollen sie es auch entsprechend bezahlen... 

Ein Freundeskreis aus Kerpen und Manheim bittet zum Tanz...


Samstag, 2. Mai 2020
Tanz in den 1. Mai in Manheim – das hat unter uns Freunden Tradition! Wir freuen uns wochenlang darauf, alle zu sehen, die ganze Nacht miteinander zu lachen und zu tanzen und natürlich auch das eine oder andere Sektchen zu heben und Bierchen zu zischen… 

Eigentlich wollte uns dieses Jahr Corona einen Strich durch die Planung machen… Von so 'nem Virus lassen wir uns aber nicht abhalten! Um 20 Uhr taucht ein Bild in unserer WhatsApp-Gruppe auf – Sie: Grüne Perücke, Er: grüner Nasen-Mundschutz. Darunter: Grüße von „Cordula Grün und Eberhard“ – ein Insider, das Lied zum Haare raufen und auf-der-Tanzfläche-Ausflippen, eigentlich ja eher um fünf Uhr morgens. In der Gruppe gibt es kein Halten mehr. Fotos, wie wir den Abend alleine rum kriegen, Grillgut, leere Ramazzottiflaschen, Reibekuchen, Witze, Wein, Bier, Sekt,...

Dann startet eine Challenge: „Einen zum Desinfizieren, einen zum Neutralisieren und einen für den guten Geschmack.“ Die Einen starten mit Eierlikör, die Anderen mit nem Schnaps. Wir s i n d nicht allein! Und wir t r i n k e n nicht allein! 

Zwar sitzen wir Freunde überall in Manheim und Kerpen verteilt – aber wir feiern zusammen in den Mai, wie jedes Jahr! Das nimmt uns nicht mal Corona! Prost!  

Sabi, 46, Koblenz


Samstag, 2. Mai 2020
In meiner Heimat Rheinland-Pfalz herrschen strenge Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Auch bei uns darf man sich nur mit einer einzigen haushaltsfremden Person treffen und es wird hart durchgegriffen, wenn man davon abweicht: 

Eine meiner Freundinnen verabredete sich zum Spazierengehen mit einem befreundeten Pärchen. Um sich an das Verbot eines Treffens zu dritt zu halten, gingen die beiden Frauen vorweg, der Mann in relativ großem Abstand hinterher. Als sie zurück zum Parkplatz kamen, parkte dort ein weiteres Auto. Die drei wollten sich gerade an ihren beiden Wagen verabschieden, da sprangen zwei Männer aus dem dritten Auto: Beamte vom Ordnungsamt. Sie verhängten gegen alle drei Spaziergänger Strafzahlungen von etwa 200 Euro pro Person, da sie auf dem Parkplatz gegen das Kontaktverbot von mehr als zwei Personen verstoßen hatten. Das sind Auswüchse! 

Diese Regeln sind teilweise so schwammig formuliert, dass niemand genau weiß, was erlaubt ist und womit man sich strafbar machen würde. 
Meine Eltern vermissen uns und unsere Kinder sehr. Aber sie sollten uns wirklich nicht zu Hause besuchen, auch wenn das theoretisch erlaubt wäre: Meine Eltern sind 72 und 80 Jahre alt und wir sollten sie nicht der Gefahr einer Ansteckung aussetzen, die ja in geschlossenen Räumen viel höher ist. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen, um nicht wegen des Versammlungsverbots auf der Straße eine Geldstrafe zu riskieren. 

Deshalb haben wir uns jetzt tief im Wald getroffen – natürlich mit großem Abstand zueinander! Es war so schön sie zu sehen! 

Katharina, 55, OGS-Gruppenleiterin in einem Kölner Vorort


Freitag, 1. Mai 2020, Tag der Arbeit

Ich arbeite in einem Kölner Vorort in einer Grundschule in der Nachmittagsbetreuung. Der Job macht mir wahnsinnig viel Spaß und ich denke mir gerne Dinge aus, die ich mit den Kindern machen kann, sobald sie die Schulaufgaben erledigt haben: Wir kochen, singen, basteln und spielen gemeinsam. Normalerweise… Aber nun sind ja seit vielen Wochen die Schulen geschlossen und ich vermisse meine Arbeit mit den Kids sehr! In der Notfallbetreuung wurde ich nicht eingesetzt, weil ich eine Vorerkrankung der Lunge habe. 

Jetzt startet der Unterricht ja für die Viertklässler wieder und so nach und nach sollten wir eigentlich alle wieder arbeiten kommen. Ständig finden Besprechungen statt, wie wir die Hygienestandards und Abstandsregeln einhalten können. 

Aber ich habe jetzt erfahren, dass ich leider in den kommenden Wochen weiter frei gestellt wurde: wegen meiner Lunge. Dem Träger ist das Risiko einfach zu hoch, dass ich mich mit Coronavirus infizieren und einen schweren Verlauf von covid-19 durchmachen muss. 

Mein Gehalt geht weiter und ich kann wohl in den kommenden Wochen einige administrative Dinge erledigen. Gemeinsam mit einer ebenfalls älteren Kollegin, die auch frei gestellt ist, sollen wir die Bastelsachen sortieren und das Inventar sichten. Da habe ich dann zumindest mal ein paar Tage was zu tun und bin unter Kollegen. Aber das, was mir am meisten Spaß macht, nämlich intensiv Zeit mit den Kindern zu verbringen, darf ich leider nicht! Ich hoffe, das ändert sich bald. 

Denn ich merke, so schön es am Anfang ist, in den Tag hineinleben zu können und sich niemandem gegenüber rechtfertigen zu müssen, möchte ich nicht ewig so leben - diese "Corona-Ferien" sind nun Alltag geworden und ohne Struktur im Leben kehrt schnell eine Art Langeweile ein. 

Zwei Kerpener Abiturienten, 
18 und 19 Jahre alt


Freitag, 1. Mai 2020, Tag der Arbeit

Die beiden Abiturienten kommen gerade vom Schulgelände, als ich sie am Mittwoch bitte, mir über ihre aktuelle Situation zu berichten. Sie sind sich einig, dass die Leitung des Europagymnasiums in Kerpen für eine gute Organisation ihrer Abivorbereitung sorgt, soweit das unter den Umständen überhaupt möglich ist. 
Sie erzählen aus ihrem neuen Schulalltag (Namen geändert):  

Tim, 18: Alle halten Abstand, sicher nicht so viel, wie es eigentlich sinnvoll wäre, aber niemand klatscht andere ab oder umarmt seine Freunde, wie das in manchen Medien erzählt wird. Das Risiko ist uns bewusst! Und alle tragen Masken. In den vergangenen Wochen ohne Schulunterricht hätten sich die meisten von uns gut vorbereiten können, viele Lehrer haben gute Angebote gemacht, auch für verschiedene Medien und Programme. Aber die wurden nicht von allen genutzt.

Tom, 19: Das größte Problem war für uns im Abitur, dass wir so lange nicht wussten, wie es weiter geht, ob überhaupt Prüfungen stattfinden und in welchem Rahmen. Das hat die Motivation natürlich gedrückt. 

Tim: Ja, auch einige Lehrer wussten nicht so richtig, wie sie uns dabei motivieren sollten, aber manche haben Online-Unterricht angeboten! 

Tom: Bei mir fand Online-Unterricht in Physik und Sozialwissenschaft statt. Das hat ganz gut geklappt. Und jetzt haben wir natürlich nur noch eine Art Unterricht – eigentlich ja Hilfe bei den Prüfungsvorbereitungen – in den Fächern, in denen wir auch unsere Abiturprüfungen ablegen werden. 

Tom: Mein Deutschlehrer ist auch jetzt nicht in der Schule, er hat eine Vorerkrankung, deshalb unterrichtet uns jetzt ein anderer Lehrer. Da sich alle strikt an den Lehrplan halten, klappt das.  

Ein Vorteil der Situation, so die beiden jungen Männer, liege darin, dass die Prüfungen nach hinten geschoben wurden. Dadurch haben sie sogar mehr Zeit zum Lernen. 
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